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Religion die x-te

by - 13. Juni 2019

Vielleicht hätte ich Priester werden sollen?

Ich habe schon als Kind begriffen, dass mit dem „Glauben“ irgendwas nicht stimmt, und fühlte mich damit nicht wohl. Damals kannte ich nur die (katholische) Kirche.

Als ich in Kontakt mit Freikirchen und den Zeugen Jehovas kam, erfuhr ich, dass es noch sehr viele Stufen bekloppter geht als das, was ich ohnehin schon als dumm und der Welt der Erwachsenen als nicht würdig empfunden hatte.

Ich habe mich viel mit philosophischen Fragen beschäftigt, und ich hatte da wohl das Glück, die richtigen Leute um mich herum gehabt zu haben, einschließlich hochgebildeter Klassenkameraden in der Schule.

Ich will nicht meine halbe Biographie und meine ellenlangen Gedankenketten hier ausbreiten, ich teile euch hiermit nur das Endergebnis mit, zu dem ich nach 50 Jahren freien Denkens gekommen bin:

Religion ist ein Defizit. Ich liebe Fantasy, Sagen, Märchen, Marvelfilme. Aber ich kann die Welt der Fiktion von der Welt, in der ich lebe, unterscheiden, und Religion ist in ihrem Kern ganz exakt das Fehlen dieses Unterscheidenkönnens.

Religion ist die Pest. Sie verdreht Geist und Ethik der Menschen und behindert ihr Vorankommen. In grauer Vorzeit mochte sie eine Funktion gehabt haben, heute ist sie wie ein Blinddarm. Nutzlos, aber gefährlich, wenn er sich entzündet. Es ist absolut nichts Schützenswertes an Religion, und wenn ich das Sagen hätte, würde ich alle Mittel von Bildung, Erziehung und Politik, die mir zur Verfügung stünden, nutzen, diese Krankheit der Menschheit auszurotten.

Es gibt auch Religionen ohne Götter und Jenseits. Im strengen Sprachgebrauch sind sie nicht Religionen zu nennen, sondern Ideologien. Der Kommunismus, der Nationalsozialismus, der Kampf gegen Rechts und jetzt die Klimahysterie – das sind alles in ihren neurologischen Grundlagen ebenso Religionen wie Christentum, Islam, etc. Wenn man dem Menschen, der nicht frei zu denken gelernt hat, eine Religion entzieht, indem man sie entlarvt, sucht er sich eine andere. Entlarvt man diese, sucht er sich wieder eine neue – oder wendet sich einer bereits entlarvten erneut zu!

Wir hatten zum Ende des 20. Jahrhunderts das nervige Christentum schon auf halbem Wege entsorgt, und das war sehr gut so. Es wurde jedoch ein Vakuum hinterlassen, das nicht mit Philosophie gefüllt wurde. Man hat versäumt, das freie Denken zu lehren. Die Menschen werden sich der Religion wieder zuwenden – tun es ja schon längst wieder -, und wir können dagegen wenig tun.

Der Islam bzw. die Islamisierung ist in der Hinsicht tatsächlich im Moment nicht einmal meine Hauptsorge. Findet statt und wird wahrscheinlich das finale Verderben des Westens werden, aber die stärksten gesellschaftszersetzenden Kräfte kommen jetzt noch von einer ganz anderen Seite.

Die Kirche? Ja, der Kirche laufen die Schäfchen im Moment weiterhin davon. Die könnte am Ende sein, jedenfalls in Deutschland. Allerdings wird dieses Ende noch sehr lange dauern, denn die Kirche hat nahezu unbegrenzte Geldmittel und sie profitiert von Gesetzen und Verordnungen, die sie mit Macht versorgen und eigentlich grundgesetzwidrig sind, aber das schert niemanden.

Die Kirche paktiert übrigens mit dem Islam, denn für sie ist Islamismus immer noch besser als Atheismus.

Mein Hauptkritikpunkt an der Kirche ist, dass ihre Entmachtung, die doch so gut lief, zum Stillstand gekommen ist. Ein ganz kleines Bißchen habe ich vielleicht tatsächlich Angst, dass sich dieser Prozess wieder umkehren könnte. Es werden immer noch religiös bedingte Kündigungen von Arbeitnehmern ausgesprochen, obwohl das eigentlich schon längst nicht mehr sein dürfte.

Ich frage mich natürlich, ob die Maßnahmen zur Heilung der Menschheit von Religion, wie ich sie mir vorstelle, überhaupt funktionieren würden. Religion scheint im neurologischen Programm des Menschen fest verdrahtet zu sein, religionsfreie Menschen wie ich sind möglicherweise lediglich vereinzelte Mutationen. Erfreulicherweise immer wieder auftretend aber bdauerlicherweise sich nicht durchsetzend.

In dem Fall müsste man, bevor man die Menschen auf kalten Entzug setzt, eine Ersatzreligion konstruieren. Eine, die harmlos ist und möglichst viele Prinzipien der Vernunft inkorporiert. Die Konstrukteure dieser Religion wären freilich Atheisten, und sie wären so etwas wie eine kleine Elite, die ihr Geheimnis bewahren und das Heft des letzten Wortes in Entscheidungen in der Hand behalten müsste.

Und wie ich so über derlei nachdachte, fielen mir Parallelen zur Kirche auf. Ich hege schon lange den Verdacht, dass die Obersten der Kirche gar nicht mal so dumme Männer sind, und dass viele von ihnen sehr genau wissen, was für einen Bullshit sie ihren Schäfchen verkaufen. Und ich glaube, sie sind zugleich davon überzeugt, dass ihre Lügeninstitution eine wichtige Rolle darin spielt, das Tier im Menschen unter Kontrolle zu halten und so einen Teil zum Weltfrieden und zu Humanitarismus beizutragen.

Wenn ich so darüber nachdenke, hätte ich vielleicht Priester werden sollen.

From → Philosophie, Religion

8 Kommentare
  1. Der … Kampf gegen Rechts ist für dich sowas wie eine Religion?

  2. U R S permalink

    Gut ausgeführt lieber Fux.

    Doch wer das Lügenkonstrukt der Kirche oder jedweder anderer Glaubensgemeinschaften und solcher Organisationen durchschaut, der würde niemals so einen Berufszweig wählen. Zumindest nicht, wenn man seine Mitmenschen nicht bewusst verarschen will. 😉

    Diejenigen die dies machen sind Machtmenschen, die die andere Menschen kontrollieren wollen. Deshalb haben Politik und Religion auch so ein inniges Verhältnis zueinander.
    Beide vertreten Ideologien und betrachten sich – je extremer und radikaler sie sind – als die „Heilsbringer“ und blasen in das gleiche Horn. Sie halten es wie der Protagonist Jesus in der Bibel, der sagte: „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ (Mat. 12:30)
    und
    „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“ (Mat.10 34-39)

    Deshalb wird bei totalitären Systemen – ob politisch oder religiös gesinnt – auch immer versucht die Meinungsfreiheit zu unterdrücken und die Menschen in deren „richtigen“ Gesinnung zu lenken, damit diese deren Weltbild annehmen, oder zumindest hinnehmen. Deshalb verursachen diese auch die Gesellschaft zu spalten, was bis in die eigene Familie hinein reicht.
    Denn mit dem suggerieren von „Nur wir sind die Guten, und diejenigen, die anderer Meinung sind, sind die Bösen“ vereint man die Menschen nicht, sondern entzweit sie und hetzt sie gegeneinander auf.
    Ich könnte hier jetzt noch einige andere Gemeinsamkeiten nennen, aber ich will hier kein weiteres Buch schreiben.

    Viele Menschen sehen diese Verführung zur jeweils Ton angebenden totalitären Ideologie leider nicht, wenn diese Ideologie viele Schnittpunkte mit deren eigenen Denkweise hat. Ob indoktriniert oder antrainiert spielt dabei keine Rolle. In welche Richtung diese geht auch nicht. Denn ob der Zeiger nach links, rechts, oben oder unten zeigt hat erst mal keinen Einfluss auf die Intensität der Ideologie. Erst wenn es zu extrem wird, hat es negative Auswirkungen. Doch diese sind leider meist schleichend.

    Viele Menschen die sich verführen lassen haben jedoch etwas verlernt. Zum einen, dass man seine eigenen Vorstellungen, die man beigebracht bekommen hat auch ab und an hinterfragen sollte. Und, dass jeder Mensch ein individuelles Wesen ist, welches auch anders denken und fühlen kann. Und jeder dieses Denken und Fühlen auch in seiner Meinung ungestraft und ohne Sanktionen befürchten zu müssen, äußern dürfen sollte. Doch bei gewissen politischen und religiösen Vorgaben ist dies natürlich nicht gern gesehen und wird daher auch bekämpft. Anfangs noch mit Diffamierungen, dem verbreiten von Lügen, das verdrehen von Worten, Zusammenhängen und Tatsachen, und dem Verweigern eines Dialogs oder Diskurses. Danach kommen materielle Strafen. Dann körperliche, mit wegsperren. Bei ganz extremen Auswüchsen sogar Folter und Tod.
    Hatten wir alles schon im Namen einer Gottheit oder Regierung.
    Und die Geschichte scheint sich immer auf ähnliche Weise zu wiederholen.
    Und ja, es ist nie die Masse, die ein derartiges System bekämpft. Es sind immer nur wenige. Denn die Masse macht solche Systeme erst möglich. Durch Hysterie und Anpassungsdruck oder gar Gruppenzwang und Angst vor Repressalien.

    So jetzt mach ich mal Schluss, sonst schreib ich hier doch noch „Die Zeit ist reif!“ Teil 2. 😊

    Kurz möchte ich noch sagen, dass ich Deine Ausführungen sehr treffend übermittelt finde.
    Danke für deine sehr nachdenklich stimmenden und hinterfragenden Beiträge.
    Mach weiter so.

  3. Wenn, du die Menschen, von der Religion „heilen“ möchtest, wer stellt die ethnischen Regeln für gut und schlecht auf? Was unterscheidet diese elitäre Gruppe von Menschen die richten, von einem göttlichen Wesen? Wir in Europa haben eine andere Ethik wie im Nahenosten. Mein Nachbar hat eine etwas andere Ethik wie ich…. aber zurück zum Realismus ich bin auch dafür Religion und Staat zutrennen, dennoch finde ich ganz wichtig die Menschen zu lehren was Werte wie Achtung, Mitgefühl etc sind. Um mit den Worten des Dalai Lama ab zu schließen: Ethik ist wichtiger wie Religion.

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