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Über Familienbande und Nationalismus

by - 7. Februar 2019

Aus meinen Facebook-Diskussionen.

Jemand fragte in die Runde:

„Hab da mal ne Frage.

Von wann an wird es „böse“ genetische Abstammung bedeutsam zu finden?

Wenn der vermeintliche Vater feststellt, dass er gar nicht der biologische Vater ist, dann trifft ihn das.

Wenn die Mutter nach Jahren erfährt, dass ihr Kind vertauscht wurde, trifft sie das.

Wenn ein adoptiertes Kind erwachsen ist, hat es oft die Sehnsucht, seine biologischen Wurzeln kennenzulernen.

Ist Volk sowas wie eine viel größere Familie? Oder ist Volk etwas vollkommen anderes?

Von welchen Diffusionsgrad der Verwandtschaft an hört Familie und damit das moralisch zugestandene Bevorzugen des Eigenen auf? Wo ist die Trennlinie? Gibt es eine?

Von wann gleitet ein Wichtigfinden von genetischer Verwandtschaft in etwas Ungutes ab?

Ich schrieb schon ab und zu, dass ich die Definition eines geschätzten Menschen, der meinte, deutsch ist, wer sich wirklich deutsch fühlt (angenommen, man könnte das beweisen), nach ein wenig Grübeln unterschreiben konnte. Aber Staatsdinge sind ja vielleicht auch ein anderes Ding? Muss man das trennen?“

Es folgt meine Antwort, die zuerst nur drei Zeilen lang geplant war, aber nun zu einem Artikel geworden ist.

Das ist einer dieser unscharfen Fragenkomplexe, bei denen schon die Fundamente, die zu so einer Frage führen, soziale Konstrukte sind, noch dazu sehr uneinheitlich gehandhabte. Hier muss zuallererst einmal geklärt werden, was der Fragesteller eigentlich wissen will. Und das weiß der Fragesteller oft selbst nicht so ganz genau, außer, daß er die Fühler nach einer Art objektiv richtigen Basis ausstreckt, nach der er seine Ansichten und Handlungen ausrichten oder sie rechtfertigen kann. Am liebsten letzteres.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass eine Unterscheidung zwischen biologisch bedingt und sozial konstruiert zwar einigermaßen objektiviert werden kann, jedwede Zuordnung in Gut oder Böse jedoch subjektiv bleiben muss, weil es sich dabei nun mal um Empfindungen handelt. Man kann natürlich hingehen und Definitionen für Gut und Böse erschaffen, damit hat man aber nur eine Sprachregelung geschaffen und sonst gar nichts. Da viele Menschen mit der Sprache denken, erliegen selbige der Illusion, ihre Empfindungen besäßen objektive Gültigkeit, nur weil sie Worte dafür haben.

Der Kern aller Ethik ist letztlich: Mit was fühlen wir uns wohl und mit was fühlen wir uns nicht wohl? Alles andere ist Ideologie.

Biologische Fakten zu erkennen ist wichtig, um sich nicht in Irrwege und Sackgassen der Lebensverbesserung zu verrennen. Wenn ein Mensch gegen seine biologische Natur gebürstet wird, fühlt er sich nicht wohl. Ein solcher Irrweg ist z.B. die Behauptung, das Geschlecht eines Menschen sei ein soziales Konstrukt, und weil die Realität nicht zur Theorie passt, haben wir Frauenquoten und Femnazis. Will ich nicht weiter ausführen.

Die Frage, ob Blut wirklich dicker ist als Wasser, kann ich nicht beantworten, aber es gibt Hinweise aus der Forschung (Schimpansen), dass dem ein ganz klein wenig tatsächlich so sein könnte. Aber es gibt wohl auch andere Faktoren. Schimpansen kooperieren statistisch gesehen enger, wenn sie die gleiche Mutter haben, aber der Vater scheint bereits unwichtig zu sein. Und noch wichtiger als die Mutter sind Gleichaltrigkeit und ähnliche Interessen.

Das sind aber nur Hinweise. Ein Denkanstoß, mehr nicht. Man sollte sich hüten, das einfach auf den Menschen übertragen zu wollen.

Aus meinen laien- und lückenhaften Beobachtungen meiner Mitmenschen bin ich derzeit der Ansicht, dass Gleichaltrigkeit und gemeinsame Interessen in der Tat die stärkste spontane Allianzbildung bedingen.

Familienbande spielen aber auch eine wichtige Rolle wegen des Zusammenlebens. Mit wem man aufwächst, Tisch und Bett teilt, mit dem fühlt man sich verbunden. Ob man will oder nicht! So bleiben Kinder auch gegenüber misshandelnden Eltern oft unbegreiflich loyal und emotionell positiv zugewandt.

Ebenso verhält es sich mit dem etwas weiter gezogenen Kreis der Nachbarschaft, aber Vorsicht! Seit der enormen Zunahme von Mobilität und Freizügigkeit in unserer Kultur sind die Grenzen dieser Kreise keine geographischen mehr, außer vielleicht noch in Gegenden mit Leuten, die nicht viel herumkommen und ein Leben lang unter sich bleiben.

Die „Nachbarschaft“ besteht daher nicht nur aus wechselnden Nachbarn, sondern auch aus wechselnden Arbeitskollegen und Freunden. Letztere sucht man sich heutzutage selber aus und man ist da dank Internet auch zunehmend globalisiert.

Ebenso verhält es sich mit „Heimat“. Wo man den größten Teil seines Lebens verbringt, dahin fühlt man sich gehörig, da zu sein beschert einem ein Wohlbefinden. Und das ist aufgrund der Mobilität heutzutage sehr flexibel. Wo man geboren ist oder gar die Eltern geboren sind – who cares?

Ich denke daher, dass die von Rechts vielbeschworene Liebe zum Land und zum eigenen Volk eine Ideologie ist und nicht etwas, wonach ein freier Mensch von selbst strebt.

Der Denkfehler der Linken aber ist es, meiner bescheidenen Ansicht nach, dass sie deswegen den inneren Zusammenhalt eines Staates als irrelevant abtun und ohne Weh ihrer Ideologie von Weltoffenheit, Toleranz und Gleichheit opfern würden, wenn man sie ließe. Sie verkennen dabei mehrere ganz wesentliche Faktoren. Ich nenne da die folgenden:

1. Ein typischer westlicher Staat ist trotz „Pluralismus“ doch letztlich eine Gemeinschaft ähnlicher Interessen. Diese Ähnlichkeit wird einem aber oft erst bewusst, wenn man sieht, wie das Weltbild und die Interessen von Leuten sind, die von außerhalb kommen. Diese Leute draußen halten zu wollen, finde ich vollkommen berechtigt, denn sie bereiten uns Unbehagen statt Wohlbefinden.

2. Der Staat ist vielleicht ein soziales Konstrukt, aber er funktioniert. Meistens jedenfalls. Wir leben in Freiheit und Wohlstand. Dafür müssen wir leider arbeiten, aber irgendwas ist ja immer. 😉 Wohlstand zu teilen ist honorabel, aber vermindert den eigenen Wohlstand. Man hat uns anerzogen, dass Egoismus „böse“ ist, aber ohne ein Minimum an Egoismus ist unser Wohlstand bedroht, denn wir haben davon viel aber nicht unbegrenzt viel.

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From → Philosophie, Politik

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