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Der Graben

by - 6. Dezember 2018
Zu meiner Schulzeit waren die meisten von uns unpolitisch bzw. vertrauten darauf, dass die Regierung etc. schon alles gut machen. Das Links-Rechts-Lager ging zwischen SPD und CDU, aber es war nichts Besorgniserregendes.
 
Vereinzelt wurden wir von den Lehrern und den Medien nach links indoktriniert, in Form von Regierungskritik. Regierungskritik war grundsätzlich links, weil die Regierung immer etwas rechts war. Daran änderte sich auch nichts, wenn mal die SPD mit Regieren dran war.
 
Die Nazizeit wurde ausführlich vermittelt, aber es gab keinen „Kampf gegen Rechts“, auch wenn man es empörend fand, dass viele Altnazis sich als Beamte oder gar Politiker in die Neuzeit retten konnten. Neonazis bzw. die NPD waren skurrile Randgruppen, denen man in der Regel nie selber über den Weg lief. Die man nicht ernst nahm und die im Alltag null Bedeutung hatten.
 
Was im Fernsehen kam oder in der Zeitung stand, war die Wahrheit. Man kam gar nicht auf die Idee, dass das irgendwie anders sein könnte. Und so furchtbar viel Unterschied war auch gar nicht. Streit gab es über aus heutiger Sicht eher nichtige Sachen, und keiner wäre dafür auf die Straße gegangen.
 
In den grundlegenden Sachen herrschte eigentlich absoluter Konsens. Teilweise auch auf Desinteresse beruhend. Und selbst wenn nicht, wurde keiner wegen Politik ausgegrenzt. Ausgegrenzt vielleicht schon, aber dann wegen Klamotten, Aussehen, Behinderung, Sprachfehler, Übergewicht …
 
Die Veränderung sehe ich als schleichend, so dass ich gar nicht sagen kann, ab wann genau sie sich wie genau vollzog. Aber irgendwie bringe ich es mit dem Internet in Verbindung, denn das ermöglichte es den Leuten plötzlich untereinander sehr viel und sehr schnell zu kommunizieren, billig und vollkommen ortsunabhängig.
 
Was jetzt anders ist? Nahezu alles.
 
Die Regierung bzw. die Parteien sind ideologisch massiv nach links gerückt. Zwar haben wir noch Kapitalismus, aber die Ideologen sägen an seinem Thron. Er wird verteufelt, es werden täglich neue Gesetze und Verordnungen erlassen, die den freien Markt einschränken und der Staat wird mehr und mehr ein Paternalismus. Der Bürger ist – auch in den Augen des Bürgers selbst – unmündig und muss geleitet werden.
 
Der Paternalismus entwickelt sich weiter zum Totalitarismus. So langsam, dass die meisten es kaum bemerken, und vor allem geht die Ideologie voraus. Den Leuten wird eingeredet, dass freie Meinungsäußerung gefährlich ist, und so protestiert die Masse nicht bei seiner Einschränkung.
 
Der Linksruck hinterlässt ein Vakuum im Bereich Mitte-Rechts. Diesem Umstand entspringt die Gründung und der Erfolg der AfD. Da es aber eine noch junge Partei ist, die vom Establishment sofort massiv unter Druck gesetzt und verleumdet worden ist, verlassen zuerst die Mitte-Leute die Partei, es folgen die gemäßigt Rechten, und ich sehe die Entwicklung, dass am Ende nur noch die Hartgesottenen ausharren werden. Die sind dann aber sehr Rechts und allesamt irre. Das nennt man dann eine selbsterfüllende Prophezeiung.
 
Die Mitte der Politik ist wieder frei. Oder immer noch. Es gibt nur noch Links und Rechts. Damit ist der Riese enthauptet, um es mal poetisch auszudrücken. Es fehlt exakt das, was das Land am dringendsten bräuchte. Einen maßvollen und vernünftigen Kurs.
 
Die etablierten Medien sind weiterhin stramm links und bemühen sich um Volkserziehung, aber durch das Internet tauschen sich die Leute auch ohne sie munter aus, es bilden sich massenhaft alternative Infokanäle und Meinungsforen, und wenn mal wieder das Versagen der Staatskräfte in wichtigen Bereichen (Sicherheit, Infrastruktur, Sozialpolitik) offenkundig wird, können sich Empörungswellen unabhängig von den etablierten Medien ausbilden. Die Homogenität in den politischen Ansichten, die das Fernsehen bisher erfolgreich vermitteln konnte, ist dahin.
 
Und wenn die etablierten Medien auch noch beim Lügen, Verschweigen und Manipulieren ertappt werden – eine völlig neue Erfahrung für sie, der sie hilflos gegenüberstehen – ist der Vertrauensverlust unwiederbringlich.
 
Der Tonfall in der Auseinandersetzung wird nur deshalb nicht noch schärfer als ohnehin, weil die Zensurgesetze, (die es laut dem, wie Lieschen Müller sich das System vorstellt, eigentlich gar nicht geben dürfte), eilig angezogen werden, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Nun richtet aber ihre Existenz allerdings ebenfalls Schaden an.
 
Aus meiner Sicht haben wir im Moment ganz viele schreckliche Probleme in Deutschland. Einige sind alt, andere sind relativ neu, gelöst werden müssen sie aber alle relativ dringend, sonst sieht die Zukunft düster aus.
 
Aber es herrscht Uneinigkeit darüber, wie diese Lösungen aussehen sollen. Ja, sogar was überhaupt zu den Problemen gezählt werden muss.
 
Dieses Land ist inzwischen so tief gespalten, dass ich ehrlich gesagt, die Grundlagen für eine Demokratie nicht mehr sehe. Von solch irren Plänen wie eine EU-Regierung will ich gar nicht erst anfangen zu schreiben.
 
Was mein Vorschlag wäre? Eine Teilung des Landes entsprechend seiner ideologischen Grenzen. Die Linie könnte grob entlang der ehemals deutsch-deutschen Grenze verlaufen.
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2 Kommentare
  1. Jens Freimann permalink

    Letzter Absatz: „Was mein Vorschlag wäre? Eine Teilung des Landes entsprechend seiner ideologischen Grenzen. Die Linie könnte grob entlang der ehemals deutsch-deutschen Grenze verlaufen.“

    Ihr Vorschlag kam angesichts des vorherigen Textes völlig überraschend, weil er sich aus dem vorher Gesagten nicht erschließt. Welche Überlegungen hat Sie veranlasst, die Grenzziehung in topografischer Hinsicht am ehemaligen innerdeutschen Grenzzaun zu verorten?

    • Aufgrund des dortigen Wahlverhaltens.

      Perfekt sieht anders aus, aber man kann reale Grenzen nun einmal nur durch die Landschaft ziehen und nicht durch abstrakte Gesinnungsmerkmale. Aber es ist in diesem Falle hilfreich, dass die ehemalige DDR eher das Rechte repräsentiert. „Dunkeldeutschland“.

      Es kam überraschend? Nun ja, ich überrasche gerne.

      Bei näherer Analyse sollte es dann so erstaunlich nicht mehr sein. Die ideologischen Differenzen sehe ich als unüberbrückbar, also soll doch jede Seite unabhängig von der anderen zeigen, wer den erfolgreicheren Kurs hat.

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