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Eigentlich gibt es keine politische Verdummung, im Gegenteil

by - 16. September 2016

Ein Freund schrieb als Kommentar zu einem Umfrageergebnis, laut dem nur 23% der Deutschen die AfD für eine normale demokratische Partei halten, Folgendes:

„Es ist doch schon erstaunlich, wie manipulierbar die Deutschen sind.
Wenn man das Parteiprogramm der AfD liest, finden sich keine Forderungen, die nicht auch aus der SPD unter Helmut Schmidt stammen könnten, in Einwanderungsfragen ist die AfD sogar deutlich links von Helmut Schmidt anzusiedeln – aber das sind ja nur Fakten.

Wenn man den Medienberichten blinden Glauben schenkt, dann würde die AfD in etwa gleichauf mit der NSDAP liegen und fordern, daß Flüchtlinge an der Grenze erschossen werden, Schwule und Juden ins KZ müssen und Frauen verpflichtet werden, mit 6 Kindern den Haushalt zu führen – das kann man jetzt zwar nicht mehr Fakten nennen, aber man hört es doch nur zu oft.

Was mich nun wirklich verwundert ist, dass die vermeintlich so kritischen und medienerfahrenen Deutschen mittlerweile zu 62% diesen Medienberichten auf den Leim gegangen sind. Was ist da in unserem Bildungssystem schiefgelaufen?“

Nun. Die Antworten stecken zum Teil schon in der Frage. So ist zum Beispiel etwas mit dem Bildungssystem schiefgelaufen. Aber Vorsicht: Das Bildungssystem hat, was die Erziehung zur Kritikfähigkeit angeht, noch nie „funktioniert“. Weil das nämlich gar nicht der Auftrag des Bildungssystems ist. Unser Bildungssystem ist ein primär auf Selektion ausgerichtetes System, das die zukünftigen Steuersklaven und Arbeiter vom Menschenschrott trennt. Kritische Geister werden niedergemacht, bevor sie Schaden anrichten können.
Wo aber ist wohl das Problem mit den Medien zu suchen? Nun. Meine Antwort sieht so aus:
Wir sind damit aufgewachsen, dass wir unseren Medien vertrauen können, weil die Mitarbeiter doch alle Journalistik studiert haben, einen Ehrenkodex besitzen und ganz doll regierungskritisch sind. Das schwarze Schaf war immer die BILD, der durfte man nix glauben. Aber allen anderen schon.
Das stimmte allerdings schon damals nicht. Ganz besonders das mit dem Regierungskritischen nicht. Wenn man in journalistischer Arbeit zu tief in den Untaten von Regierung und Behörden stocherte, verlor man schon damals seinen Job oder wurde zu Geldstrafen verurteilt.
Wenn ich so recht darüber nachdenke, glaube ich, waren die Medien damals noch viel gleichgeschalteter als heute. Wir wuchsen auf in einer Welt, wo Richtig und Falsch relativ klar und eindeutig definiert waren, und wir lebten in der Welt der Guten in Wohlstand und Sicherheit, es gab also keinen Grund, sich über irgendwas nennenswert aufzuregen.
Bei mir bedurfte es einiger ungewöhnlicher Vorfälle zu Beginn des neuen Jahrtausends, die mich in Kontakt mit der deutschen Justiz und ihrer Arbeitsweise brachten, um den Glauben an das hiesige Pleasantville zu verlieren. Ich kann sagen, es war ein sehr traumatisierendes Erlebnis, festzustellen, dass dieser Staat eigentlich alles andere als menschenfreundlich ist und die „Würde des Menschen“ nur eine hohle Phrase. Die zweite Traumatisierung erfolgte dann über meine nicht aufgewachten Freunde und Bekannten, die mir nicht glaubten, wenn ich von meinen Erlebnissen erzählte.
Was an Diffamierung heute der AfD widerfährt, wurde damals mit den Grünen gemacht. Nur waren die natürlich keine Nazis, aber Spinner, Verrückte, Unfähige, Drogensüchtige, Arbeitsscheue, Kriminelle, usw. Sogar das mit der versuchten Wahlmanipulation gab es schon damals: Wahlhelfer ließen gerne mal Stimmzettel für die Grünen in die „ungültig“-Ablage wandern. Heute sind die Grünlinge „integriert“, aber es war ein langer Weg, bis die Altparteien sich mit der neuen Konkurrenz abfanden.
Was ist heute anders? Wieso nehmen wir eine Verdummung und Verführbarkeit der Bevölkerung wahr? Ist die neu? Gab es die früher nicht? Doch, es gab sie. Aber WIR, die wir das sehen, WIR haben uns weiterentwickelt und haben Kritikfähigkeit erlernt. Und neben außerordentlichen persönlichen Erlebnissen spielt als ganz großer Helfer das Internet eine Rolle. Das freie Internet, wo jeder alles schreiben kann bzw. nahezu jede beliebige Information auf Mausklick abrufbar ist. Man muss nicht mehr in Bibliotheken gehen, um dicke Bücher zu wälzen oder sich in VHS-Kurse einschreiben, oder eine ausländische Zeitung abbonnieren. Es ist alles da.
Nun ist natürlich auch viel Schwachsinn im Internet. Wir haben deswegen auch Pseudo-Aufgewachte, die glauben, riesige Schweinereien aufgedeckt zu haben, wie z.B. Chemtrails oder dass die Erde flach ist, Putin nur unser Bestes will, usw. Aber selbst wenn man das mal wertneutral betrachtet, so lässt sich festhalten, dass gerade das Aufweichen der Gleichschaltung und das Eindringen der Meinungsvielfalt uns nun erkennen lässt, wie gleichgeschaltet die etablierten Medien doch eigentlich operieren.
Ich habe damals auch geglaubt, die NPD sind Nazis, ohne ihr Parteiprogramm zu kennen oder je mit ihnen Kontakt gehabt zu haben. Gut, sie sind ziemlich komisch und vielleicht sogar tatsächlich potenzielle Nazis, aber ich glaubte es damals aus den falschen Gründen, nämlich blind, ohne eine Notwendigkeit zum Überprüfen zu sehen. Heute glaube ich nichts mehr einfach nur so, sondern mache mir die Mühe, es zu prüfen, wenn es wichtig ist. Und bin ich auch letztlich auf einige fette Lügen gestoßen, z.B. das Israel so böse-böse zu den armen Palästinensern sei, oder dass die USA die Weltpolizei wären, die alle vor dem Bösen schützen.
Die Leute, die glauben, die AfD sei keine normale demokratische Partei, die tun genau das, was ich vor 30 Jahren auch tat: Sie glauben unbesehen, was in den Altmedien gesagt wird, und fertig. Auf die Idee, das nachzuprüfen, kommen sie gar nicht. Dazu fehlt jeder Auslöser.
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