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Religion: Erkenntnistheorie und Falsifizierbarkeit

by - 22. Juni 2016
Erkenntnistheoretisch ist es in der Tat sehr schwer, die Nichtexistenz von irgendwas zu beweisen. Wählt man den Gegenstand clever genug, ist es unmöglich. Das nennt man dann „nichtfalsifizierbare Aussagen“. Die moderne Wissenschaft basiert auf der Erkenntnistheorie, einem wichtigen Teilgebiet der Philosophie. Die Wissenschaft stellt Behauptungen auf, Vorhersagen, und sie sind falsifizierbar. Das ist sehr wichtig. Nichfalsifizierbare Aussagen sind wertlos.
 
Gott als alter Mann auf einer Wolke war falsifizierbar. Die Erde als Scheibe und viele andere Dinge, die Religionen früher behaupteten, waren falsifizierbar. Und wurden falsifiziert. Inzwischen sind moderne Religionen mit ihren Aussagen weitestgehend nicht mehr falsifizierbar, weil sie Gott und Jenseits so definieren, dass es keine Erkenntnis gibt, die ihre Nichtexistenz beweisen könnte.
 
Die Wertlosigkeit nichtfalsifizierbarer Aussagen ist ein ganz zentraler Punkt in der Erkenntnistheorie, der von gläubigen Menschen nicht verstanden wird. Als Parodie und Analogon für diesen Zustand haben ein paar Witzbolde das fliegende Spaghettimonster bzw. die darauf basierende Pseudoreligion erfunden. Es ist eine Spiegelung der Religionen. Ihrer Grundlagen und Argumente. Das Spaghettimonster ist ebenso unbeweisbar und unwiderlegbar wie der christliche oder islamische Gott, und ebenso kann man haufenweise dumme Zufälle aus der Natur und dem Weltgeschehen für den „Beweis“ seiner Existenz heranziehen. Zum Beispiel, dass Nudeln genau wie eine DNS-Doppelhelix geformt sind.
 
Ich bin antitheistischer Agnostiker. Ich bin Agnostiker deshalb, weil ich fairerweise nicht zu 100% ausschließen kann, dass die Welt von einer intelligenten Macht geschaffen wurde, welche nun irgendein Spielchen mit uns treibt.
 
Ich bin aber auch Antitheist, weil ich der Ansicht bin, dass Religionen über diese Wesenheit genau so viel wissen wie ich selber, nämlich gar nichts. Ich entdecke in ihren Lehren keinerlei intellektuellen Mehrwert, es ist einfach nur behauptendes Geschwätz ohne jede erkenntnistheoretisch fundierte Grundlage. Jehova und Allah, der Teufel und wie sie alle heißen sind für mich keinen Deut realer oder in ihrer Existenz diskussionswürdiger als das Spaghettimonster, Spiderman, Gollum oder Drachen. Und es spielt dabei überhapt keine Rolle, wieviele Leute an so etwas glauben, und seien es Millionen und Milliarden, es bleibt dennoch nur Gerede ohne Grundlage.
 
Ein Warnhinweis für jeden Gläubigen sollte allein schon die Vielzahl einander widersprechender Religionen sein, an die jeweils Millionen Menschen als einzige Wahrheit unverrückbar glauben. Allein die Logik sagt, dass allerhöchstens eine davon Recht haben kann, und dass es demnach möglich ist, Milliarden Menschen an Unsinn glauben zu lassen, die Mitgliederzahl also komplett irrelevant ist.
 
Atheismus kann zweierlei sein. Es kann ein Glaube sein, wie eine Religion. Der Glaube, dass es eben keinen Gott gibt. Weil … na ja, weil es eben so ist. Dieser Glaube erfordert keine intellektuelle Großleistung.
 
Man kann aber auch einfach erkennen, dass weder man selbst noch die anderen wirklich fundierte Kenntnisse über die transzendente Materie haben und sein Leben wissentlich in dieser Ungewissheit leben. Vielleicht sogar versuchen, eigene Überlegungen anzustellen, wie dieses seltsame Universum beschaffen sein könnte.
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From → Philosophie, Religion

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