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Agnostischer Antitheismus

by - 17. Januar 2016
Ich bezeichne mich selbst immer wieder sowohl als Atheist als auch als Agnostiker. Was ist nun richtig?
 
Beides!
 
Für mich gilt die Aussage, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Götter gibt (der Plural ist wichtig), und falls doch, dann wissen wir immer noch nicht, was sie von uns wollen. Ob sie überhaupt etwas von uns wollen. Ob wir nicht ohnehin schon genau das tun, was sie wollen, ob wir wollen oder nicht.
 
Ich habe ein wissenschaftsphilosophisches Weltverständnis und kann deswegen nie zu 100% sicher sein, die Wahrheit zu kennen. Die Sache mit dem absoluten Wahrheitsanspruch ist eben gerade was für die Religion. Ich kann nicht einmal zu 100% sicher sein, dass mich nicht gerade ein unsichtbares rosa Einhorn von hinten beschnüffelt und mir ein Ohr abbeißt, wenn ich im Stuhl sitzen bleibe. Es ist für mich nur dermaßen unwahrscheinlich, dass ich seelenruhig im Stuhl sitzen bleibe, und mit dem Risiko, mich ja doch zu irren, gut leben kann. Nebenbei betrachtet könnte es ja auch umgekehrt sein, dass es nur darauf wartet, mir ein Ohr abzubeißen, wenn ich aufstehe. Ich weiß doch gar nicht, was ich richtigerweise zu tun hätte, ich weiß überhaupt nichts.
 
Und wenn man überhaupt nichts wissen kann über eine Sache, ist es das Ökonomischste und Nervenschonendste, das Thema komplett aus dem Hirnkasten zu verbannen. Dumme Menschen machen das Gegenteil.
 
In der akademischen Theorie macht mich meine Denkweise also zu einem Agnostiker. In der Lebenspraxis aber, in der ich mein Leben nicht nach Göttern ausrichte, weil ich nicht mal wüsste, nach welchen ich das tun sollte, und ich mich auch nicht fürchte, deswegen vor einem solchen in Ungnade zu fallen, macht mich das zu einem Atheisten.
 
Und da ich überdies alle organisierten Religionen für Humbug halte – Betrug um es ganz deutlich zu sagen – bin ich sogar ein Antitheist.
 
Ich bin ein agnostischer Antitheist.
 
Warum war in der Eingangssaussage der Plural wichtig? Götter! Warum habe ich nicht geschrieben, dass ich nicht an Gott glaube? Weil eine solche Aussage bereits eine unzulässige Fokusverengung bedeuten würde, wie bei Pascal und seiner sehr dummen Wette (für einen Mathematiker und Philosophen beschämend). Weil er nur die Alternative „Christengott oder gar nix“ kennt, ist für ihn die Wette plausibel. Man vergibt sich nichts, wenn man an Jehova glaubt und seine Gebote befolgt, denn wenn es ihn gibt, kommt man in den Himmel statt in die Hölle, und wenn es ihn nicht gibt, dann kommt nach dem Tod ja eh nix. – Aber halt! genau so gut könnte es ja auch sein, dass mich Odin nach meinen Tod auslacht, weil ich an den schwulen Jehova geglaubt habe und nicht nach Wallhall einlässt. Oder Allah mir die Haut abzieht. Oder Buddha mich wegen geistiger Unreife in die 28766. Reinkarnation schickt. Vielleicht gibt es ja auch ein Gremium von Göttern, dass einen danach beurteilt, wie vernünftig man in seinem Leben war, da habe ich mit meiner bisherigen agnostisch-wissenschaftlichen Einstellung noch die besten Karten.
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From → Philosophie, Religion

One Comment
  1. Oh, ein Bruder im Geiste. 🙂

    Sehr gut geschrieben. Danke für diesen interessanten Blog.

    Mit agnostisch antitheistischen herzlichen Grüßen

    Uwe Rolf Schnepf (Autor des Buchs „Die Zeit ist reif! – Den Geist von den Fesseln der Religion zu lösen!“)

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