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Das goldene Kalb namens Religionsfreiheit

by - 19. Dezember 2015
Religion ist ein Defekt. Das ist für mich als Antitheist die Prämisse. Wer ihr nicht folgt, mag gerne hier schon aussteigen.
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Religionsfreiheit, wie ich sie in meinem Wertesystem für akzeptabel erachte, ist die Freiheit, für seine Religion als Erwachsener vom Staat nicht drangsaliert zu werden. So wie man nicht dafür bestraft oder gegängelt gehört, wenn man behindert ist, oder einfach nur friedlich rumspinnt. Religionsfreiheit ist für mich eine echte Teilmenge der Meinungsfreiheit. Religion ist eine Meinung.
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Als Kind gibt es jedoch so etwas wie Schulpflicht, und die wird auch eingetrieben. Ich kann als Vater nicht sagen: Lesen und Schreiben sind Teufelswerk, ich lasse mein Kind nicht in die Schule.
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Als Erwachsener wiederum kann ich, wenn ich nicht schreiben kann, ganz viele Berufe nicht ausüben. Bzw. ich darf es auch gar nicht, weil ich in diesem Beruf erheblichen Mist bauen und Leuten schaden könnte. Das ist keine Strafe, es liegt in der Natur der Sache.
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Das nur so als Vergleich.
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Religion wird überbewertet. Es gibt gar keinen gesellschaftlichen Nutzen, sie unter eine Käseglocke der besonderen Behütung zu stellen. Es gibt auch keine Gesetze, die einem ausdrücklich erlauben, sich die Haare rot zu färben, oder die es verbieten, rote Haare zu kritisieren.
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Diese überflüssige Sonderstellung von Religion ist kein Systemproblem, es ist kein juristisches Problem, es ist ein Problem in den Köpfen der Menschen. Auch die atheistische Fraktion besitzt oft genug die Meinung, dass Religion – obgleich falsch – doch irgendwie geschützt sein muss.
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Mit der Kirche bzw. dem Christentum hat im Laufe vieler Jahre ein erwünschter gesellschaftlicher Umdenkprozess eingesetzt, der Religion Stück für Stück die Macht raubte und für Kritik und Spott ohne Grenzen freigab. Und ich bin sicher, dass irgendwann die Religionssache aus den Gesetzbüchern und auch auch dem GG komplett rausgeflogen wäre.
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Mit dem Einzug des Islam muss die Gesellschaft diesen Umdenkprozess offenbar komplett von vorne beginnen. Die Mitglieder der Gesellschaft sind nicht intelligent genug, um die Analogie zu sehen und auf dem Bestehenden aufzubauen. Zugleich existiert eine rassistische Verknüpfung. Die Muslime sind überwiegend Zugewanderte aus dem nichteuropäischen Kulturkreis, und diese dürfen nicht kritisiert werden, weil man ja sonst ein Rassist ist, und Rassismus ist bekanntlich etwas ganz ganz Schlimmes. Dieses Gedankenkonstrukt ist zwar falsch, aber sozialpsychologischer Fakt.
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Und so wurde der Mythos von der Religion des Friedens erschaffen, obwohl der Islam in Bezug auf Krieg, Gewalt und andere Unwerte noch um einiges schlimmer ist als das Christentum. Es wurde die Unterscheidung von Islam und Islamismus erfunden und noch viele andere Dinge. Und die Gesetze, die Religionskritik verbieten, und die schon ewig lange in der Mottenkiste verschwunden waren, werden wieder herausgeholt. Eine Katastrophe.
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Nur, um als weltoffen und tolerant dazustehen, wird also in der Gegenwart etwas Überholtes, vollkommen Überflüssiges, wenn nicht gar vollkommen Inakzeptables, liebevoll behütet und verteidigt. Letzten Endes auf Kosten sehr vieler anderer Werte, was aber so nicht gesehen wird. Islam ist Wissenschaftsfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie, Frauenungleichstellung, Intoleranz, Gewaltverherrlichung und die Lizenz zum Lügen. Es ist ein 180-Grad-Gegenentwurf zu unserer gegenwärtigen, auf Aufklärung, Wissenschaft und Vernunft basierenden Zivilisation. Eine Verneinung unserer gegenwärtigen Werte. Letztlich eine Kampfansage an unsere Werte. Aber es ist ja eine Religion, und wir müssen dem Glauben eines Menschen gegenüber ja weltoffen und tolerant sein.
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Folgt man der Spur weiter, kommt man zur Frage, warum es denn so vielen Menschen in heutiger Zeit so lebenswichtig ist, als weltoffen und tolerant zu erscheinen, so dass sie dafür sogar viel wichtigere Werte zu opfern bereit sind. Aber das Fass lasse ich jetzt erst mal zu, sonst wird der Post zu lang. Wenn ich darüber in Zukunft schreibe, werde ich es hier verlinken.
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From → Politik, Religion

6 Kommentare
  1. Pragmatiker permalink

    Was für ein kluger Kommentar. Ich danke dem Autor dafür.

  2. Religion ist Missbrauch der Gläubigkeit machtgeiler Prediger und die ageblich heiligen Schriften sind ihre Parteisatzungen.

  3. Louis Cypher permalink

    Erschreckend sind Theisten als Seelsorger. Da kann man gleich Dealer als Pausenaufsicht auf die Schulhöfe schicken.

  4. Sybille Freimann permalink

    Religion ist kein Defekt sondern ein Welterklärungsmodell, dass sich im Laufe der Geschichte überholt hat. Was von der Religion geblieben ist, sind schützenswerte Kulturgüter, mehr oder weniger lebenswerte Wertesysteme, Bräuche, Feiertage und (leider) ganz viele Menschen, die an Gott glauben. Als bekennender Atheist kann ich mich nur wundern, wenn Menschen sich offen zur Gottgläubigkeit bekennen, die oft mit der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod einhergeht. Im Zeitalter des digitalen Radioempfanges kann man dieser Verwunderung täglich beim Hören des katholischen Radiosender HOREB durch ein ausgeprägtes Fremdschämen ob der vielen vorgetragenen sinnfreien liturgischen Verse Ausdruck verleihen. An dieser Stelle würde ich den Defekt in Bezug zur Religion sehen.

    Die Religion ist keine Meinung. Die Religion ist das Objekt, zu dem viele Subjekte eine Beziehung haben. Diese Beziehung würde ich als Meinung bezeichnen. Die Religionsfreiheit wäre daher gegeben, dass ich meine Beziehung zur Religion frei gestalten kann, indem ich beispielsweise unsinnige Verse sonntags in der Kirche nachplappere. Wenn ich diese Beziehung wiederum als Objekt betrachte und diese in Bezug zu anderen Meinungen toleriere, dann spreche ich von Meinungsfreiheit.

    Ich finde Ihre Beiträge sehr erfrischend und anregend, obwohl ich der Radikalität mancher Ihrer Aussagen etwas skeptisch gegenüber stehe.

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