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Ist Religion heilbar?

by - 11. Oktober 2015

Nach meiner Auffassung ist Religion bzw. die ihr zugrundeliegende Denkstörung des homo sapiens nicht einfach nur eine Meinung oder eine Art Dummheit. Sie ist weit mehr als das, sie ist ein evolutionäres Erbe. Religion hatte – und hat möglicherweise immer noch – einen Selektionsvorteil. Nicht für das Individuum, sondern für den Stamm. Für die Gesellschaft. Die Nation.

Zum einen als Abgrenzungsinstrument. Diese ganzen Speise- und Sexgebote und Kulthandlungen von Religionen haben entgegen vieler pseudowissenschaftlicher Erklärungsversuche keinen direkten Nutzen, sie dienen der Identitätsstiftung innerhalb der eigenen Gruppe und zugleich der Abgrenzung gegen die anderen Stämme bzw. die anderen Religionen.

Zum anderen als Disziplinierungsinstrument. Stämme mit Religion waren besser organisiert bzw. besser führbar und entschlossener / mutiger im Kampf.

Es gab aber auch schon immer Menschen, die den Betrug mit Göttern und Jenseits anzweifelten bzw. ablehnten. Ich sehe in ihnen eine Art nächster Evolutionsstufe, wenngleich es im Moment noch gar nicht sicher ist, ob sie die alten Menschen wirklich ablösen werden. Die Gesellschaften, die sich über Jahrtausende zu dem entwickelt haben, was sie heute sind, lassen sich nicht einfach so ablösen. Schauen wir in die Weltgeschichte, unter anderem unsere eigene: Religionen werden nicht von der Vernunft abgelöst, sondern nur von anderen Religionen oder religionsähnlichen Ideologien (Faschismus, Kommunismus, etc.). Eine kurze Phase der Vernunft schien sich Ende des 20. Jahrhunderts abzuzeichnen, die Kirchen haben immer mehr Macht verloren, der Kommunismus hatte als weltliche Heilslehre auch ausgedient, und es trat ein ideologisches Vakuum ein, das jetzt wieder gefüllt wird. Ich will nicht sagen, mit dem Schlechtestmöglichen, denn das war wohl zweifellos der Nationalsozialismus, aber gut ist es dennoch nicht, was auf uns zukommt. Linksgrüne Wahnvorstellungen auf der einen Seite, der Islam auf der anderen.

Was müsste unsere Gesellschaft dafür tun, wieder auf den Weg in Richtung Vernunft zu kommen?

Meiner bescheidenen Meinung nach setzt der Hebel in der Bildung an. In den Schulen und den Universitäten. Natürlich auch im Elternhaus. Wer frei denken und reflektieren kann, ist gegen Religion immun.

Fertig ausgebildete Erwachsene haben ein festgefahrenes Weltbild, das sich kaum noch verändern lässt. Wenn man der Gesellschaft (wieder) das Denken und Reflektieren beibringen will, geht das nur über die Kinder.

Im Moment haben die linksgrünen Verrückten die Schulen und Universitäten fest im ideologischen Würgegriff. Echte Wissenschaft wird abgeschafft, Pseudowissenschaften wie „Gender“ etc. werden eingeführt. Und der Religionsunterricht, der ebenfalls ein wesentlicher Faktor ist, wird wieder den Religionsgemeinschaften zurückgegeben, soweit er überhaupt weggenommen wurde. Und die haben natürlich keinerlei Interesse daran, ihre eigenen Grundlagen zu beseitigen.

Das halte ich für einen schrecklichen Irrweg.

Wie der richtige Weg aussieht, ist für mich völlig klar: Ideologien und Religionen müssen raus aus der staatlichen Bildungsschiene. Anstelle von Religionsunterricht müssen die Kinder Philosophie und Logik lernen. Religionen sind lediglich als Anschauungsobjekte geeignet, wie Denken NICHT funktioniert und zu welchen Fehlschlüssen das menschliche Gehirn neigt. Klarer Schwachsinn wie Theologie, Astrologie, Genderwissenschaften und leider auch ein Löwenanteil der sogenanten Sozialwissenschaften und der Psychologie gehören auf den Müllhaufen.

Aber wie erreicht man das? Ich weiß es nicht. Die Menschen müssen von vielen Selbstverständlichkeiten immer erst mühsam überzeugt werden, und wie schon gesagt: Erwachsene sind da nicht mehr sehr flexibel.

Ich wäre für Anregungen sehr dankbar.

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9 Kommentare
  1. Alex permalink

    Hört sich auf jeden Fall sehr logisch und nachvollziehbar an!

  2. Interessanter Beitrag.

    Eine Frage: Du hast bei den Funktionen der Religion die Sache mit der Gruppenkohärenz und die Disziplinierungsaspekte genannt…

    Aber wie sieht es denn mit der für mich recht offensichtlichen Funktion aus, dem Leben einen Sinn und Halt zu geben? Mir scheinen z.B. die vielen psychischen Erkrankungen unserer Zeit auch mit dem Absterben der Religionen (hierzulande) zusammen zu hängen. Selbst wenn man jetzt mal dir folgt und sagt: Religion ist eine zurückgebliebene Vorstufe… Was soll denn an die Stelle treten als Fixpunkt, auf den sich Menschen ausrichten können? Da gibts ja schon so Ideen (Konsum als neue Religion?)… aber was meinst du?

    • Ein sehr guter Gedanke.

      Ohne der Weisheit letzter Schluss sein zu wollen, denke ich, dass es sich beim Haltgeben um keine Funktion handelt, die einen direkten Nutzen hat. Dass es sich ähnlich verhält wie mit dem Rauchen. Solange man damit nicht angefangen hat, fehlt es einem nicht, wenn man es sein lässt.

      Einige Religionen, insbesondere der fundamentalistische Islam, stülpen meines Erachtens dem Gläubigen einen Horror über die Ohren (Angst vor der Hölle), auf den ich liebend gerne verzichte.

      • Ok, ein guter Punkt… Aber hältst du nicht die Sinnfrage und verwandte Fragen, die sich nicht schlussendlich beantworten lassen (Warum lebe ich? Warum sterbe ich? Gibt es ein Leben nach dem Tod…Seele? Wozu das alles? Warum gibt es die Welt?), für Fragen, die sich der Mensch gewissermaßen immer Stellen wird? Die evtl. quälend auf ihm lasten können? Und „Religion“ gibt ja schon eine Menge Antworten darauf… Wirds nicht für viele sehr unangenehm, ohne solche Antwortgeber? Ein gesunder Skeptizismus, der die Fragen für unbeantwortbar hält, wird mir wohl kaum meine Existenz erleichtern können…

        Klar geb ich dir auch recht, dass viele Ängste ebenso über mich gelegt werden, durch einige religiöse Dogmen.. aber eben auch Aussichten und Hoffnungen.

        • Nun, wie gehe ich selbst damit um? Es betrifft mich ja, ich habe kein „Sinnkissen“, auf dem ich mich ausruhen kann.

          Zum allerersten bin ich unfähig, an etwas zu glauben, nur weil es schön ist. Das Leben wäre sicher leichter, wenn ich das könnte. Ich müsste mich nie mehr schlecht fühlen. Ich weiß auch nicht, wie Religiöse das genau machen. Ich hege den Verdacht, dass sie auch an ihren Zweifeln knabbern, ob sich nicht aufs falsche Pferd gesetzt haben, aber mit sicherheit beantworten kann ich das nicht.

          Zum zweiten finde ich mit fortschreitendem Alter diese religiösen Lehren immer weniger attraktiv. Man muss sich niederwerfen vor schizophrenen und brutalen Gottheiten, die einem alles Mögliche androhen. Und selbst ein ewiges Leben in einem Paradies empfinde ich nicht als reizvoll. Nach ein paar Tausend Jahren wird das langweilig, und was dann? Ich glaube, der Mensch ist psychisch nicht auf ein ewiges Leben hin designt, das würde keiner aushalten.

          Was schließlich die Sinnfrage angeht, so bin ich nach einigen Gedankenexperimenten zum Schluss gekommen, dass ein solcher Sinn nicht nur nicht existiert, sondern auch die Frage danach falsch ist. So wie die Frage, welche Zahl auf „Unendlich“ folgt. Denn was ist eigentlich ein Sinn? Ein Sinn ist, wenn etwas einen Zweck hat, wenn sozusagen einem höheren Ziele dient. Das Problem ist jedoch, dass man die Frage nach dem Sinn dann auch für dieses höhere Ziel stellen muss und auch wird (wenn man nicht einen beschränkten geistigen Horizont hat). Wenn also der Sinn meines Lebens irgendwas mit Gott ist – okay, welchen Sinn hat aber die Existenz Gottes? Die Frage führt immer ins Leere.
          Aber komischerweise fehlt mir der „Sinn“ gar nicht. Es regt sich keine Spur von Verzweiflung, wenn ich feststelle, dass es einen solchen nicht gibt. Eher fühle ich so etwas wie Erleichterung.

          Ich gehe durch dieses Leben mit Neugier und freue mich an den Momenten des Glücks und des Wohlbefindens. Das reicht mir. Reicht mir vollkommen.

          Und wenn ich genau wüsste, dass nach meinem Tod nichts mehr kommt, fände ich das äußerst beruhigend.

        • Björn BirkenBär BirnBaumBart permalink

          Ich halte die Frage nach dem Sinn des Lebens für zu allgemein bzw. für unbeantwortbar, bzw. ist mir bewußt, daß Menschen in ihrem Leben durch Sinnkrisen gehen, und daß es nicht nur eine Antwort auf die etwas konkretere Frage nach dem Sinn des Lebens der Menschheit gibt. Ich denke man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, daß z.B. die Gesamtheit der Katzen, Hunde, Pferde, Wale, Menschenaffen oder anderer Lebewesen sich nicht die Sinnfrage stellen so wie „wir“ (Affen-)Menschen. Oftmals wird aber auch ein „höherer Sinn hinter dem Ganzen“ (Leben) vermutet bzw. postuliert oder herausposaunt. Wenn einem das eigene Leben sinnlos erscheint oder das eigene Leben keinen Sinn ergibt, dann kann es helfen unsinnige oder sinnlose Dinge zu tun, um zu erkennen, daß man etwas unsinnges oder sinnloses tut. Die viel existenziellere Frage ist jedoch die: Welchen Sinn gebe ich meinem Leben? Und dies ist eine Frage auf die jede/r ihre/seine eigene Antwort finden muß oder um es poetischer auszudrücken: Man muß in die Antwort hineinleben, um den Sinn des eigenen Lebens zu ergründen oder um den Sinn des eigenen Lebens immer wieder in Frage zu stellen, um sich immer wieder neu zu definieren oder um dem eigenen Leben eine andere Richtung bzw. einen neuen Sinn zu geben. Desweiteren halte ich es nicht für ratsam, sich ständig nach dem Sinn des eigenen Lebens zu fragen, wenn dies zu Trägheit, Verzweiflung, ständiger Selbstbespiegelung (im Gegensatz zu Selbsterkenntnis), ängstlich depressiven (Ver-) Stimmungen führt…. Wer sagt denn, daß das Leben einen Sinn haben muß? Vielleicht ist es viel wichtiger einen Sinn FÜRS Leben zu kultivieren, um besser unterscheiden zu können, was unbelebt ist und was sterblich & lebendig sein bedeutet und was sterben, „tot sein“, gestorben sein bedeutet. Die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, stellt sich für mich solange ich am Leben bin nicht bzw. halte ich es für unwahrscheinlich, daß die Frage nach dem Sinn des Lebens (im diesseits) aus einer jenseitigen Perspektive befriedigend beantwortet werden kann. Wenn es ein Weiterleben nach dem eigenen Tod gibt, könnte man davon ausgehen, daß man sich eben auch als diese Lebensform die Sinnfrage stellen könnte – nach dem Motto: Mein Leben auf Erden ist zu Ende, ob es nun Sinn hatte oder keinen Sinn gehabt hat – nun lebe ich hier im Jenseits – Warum lebe ich hier? Wie lebe ich hier? Ergibt mein Leben im Jenseits einen Sinn? Dazu ist es gut sich ein paar Afterlife Szenarien auszumalen oder Afterlife Romane zu Gemüte zu führen und Gedankenexperimente zu wagen. Ich habe immer den Verdacht, daß Menschen die gerade keinen Sinn in ihrem Leben sehen, sich erhoffen, daß sie sich die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens nach ihrem Tod geben können bzw. daß ihnen jmd oder etwas diese Frage beantworten kann oder daß ihr Leben auf der Erde rückblickend Sinn macht / ergibt. Derzeit leben 7 Milliarden Menschen auf diesem Planet. Ich fände es sehr befremdlich, wenn es nur eine einzige
          (letzt-)gültige Antwort für alle 7 Milliarden Menschen geben würde. Vielleicht haben alle 7 Milliarden Menschen ihre eigenen Antworten bzw. keine eigenen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Sicher stellt sich auch nicht allen diese Frage bzw. sicher stellen sich auch nicht alle diese Frage, entweder weil sie zu beschäftigt damit sind zu überleben oder weil es für sie lebenswichtigere Fragen im Leben (vor dem Sterben) gibt.

    • ...WUT? permalink

      Viele Menschen denken wegen Religion, dass sie ein gutes Leben führen müssen um nach ihrem Tod in den Himmel (oder ähnliches) zu kommen. Wenn sie aber wie ich glauben, dann versuchen sie das beste aus ihrem Leben zu machen. Außerdem gibt es auch Christen die glauben, dass es egal
      ist was man im Leben macht. Das einzige was zählt ist, dass man Jesus akzeptiert, dann kommt man in den Himmel.

  3. Björn BirkenBär BirnBaumBart permalink

    PS: ein philosophischer Lektüre Tipp: Marianne Kreuels: Über den vermeintlichen Wert der Sterblichkeit – Ein Essay in analytischer Existenzphilosophie.

    http://www.suhrkamp.de/buecher/ueber_den_vermeintlichen_wert_der_sterblichkeit-marianne_kreuels_29750.html

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  1. Ergänzende Gedanken zur Religionsfreiheit | Querdenker

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