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Deutsche Grundwerte

by - 19. August 2015

Habe mal darüber nachgedacht, und bin der Meinung, es gibt da schon ein paar Dinge, die „nationaltypisch“ sind, im Guten wie im Schlechten. Als jemand, der seit über 4 Jahrzehnten unter Deutschen lebt, habe ich mir eine Meinung gebildet, die ich jetzt im Folgenden in satirischer Form wiedergebe. Habe lange überlegt, in welcher Form ich das tue, dachte auch kurz an eine Analogie zu den zehn Geboten, aber dann kam mir in den Sinn, dass der sprachliche Duktus und die permanente Ambivalenz des KORAN doch am passendsten wäre.

Hier also der Deutsche Koran:

1.
Es gibt keine Herren über dich außer deinen Vorgesetzten und deiner Regierung. Erweise Ihnen deinen unbedingten Gehorsam! Deine Herren sind barmherzig! Sie werden nie etwas tun, was dir oder deiner Familie Schaden zufügt. Wenn es dir dennoch einmal so vorkommt, dann nur, weil du nicht ihre Weitsicht und Weisheit besitzt.

2.
Du darfst deine Herren nicht beschimpfen! Deine Regierung darfst du beschimpfen, wenn es ihrem Ansehen nicht schadet und nicht zu Veränderungen im Land führt. Dann darfst du über deine Regierung schimpfen, so viel du willst. Aber du musst dennoch immer tun, was sie dir aufträgt! Wer nicht tut, was seine Regierung ihm sagt, den erwartet Strafe im Diesseits und die Verachtung seiner Nachbarn und Famile.
Deinen Arbeitgeber darfst du überhaupt nicht beschimpfen! Dein Arbeitgeber ist dein oberster Herr. Du darfst ihn nur beschimpfen, wenn du sicher bist, dass er davon nichts erfährt.

3.
Beschimpfe auch möglichst deinen Nachbarn nur, wenn er es nicht hört. Wenn er dich hört und es deinen Herren verrät, kann dich schwere Strafe erwarten. Schimpfe über ihn im Kreise anderer Nachbarn oder deiner Familie oder vor deinen Herren. Sie werden es ihm nicht weitersagen, so wie du es ihm nicht weitersagen sollst, wenn jemand in deinem Beisein über jemanden schimpft. Du darfst es jedem weitersagen, nur dem Beschimpften nicht.
Fürchte dich nicht, dass auch du selbst hinter deinem Rücken beschimpft oder verraten werden könntest. Denn solange du rechtschaffen bist, werden deine Herren ihre schützende Hand über dich halten. Sie sind milde und gütig!

4.
Demokratische Wahlen sind eine Prüfung für den Gläubigen. Du kannst dich frei entscheiden, das Gute zu wählen, das du bereits kennst, oder Neues zu versuchen. Doch sei gewarnt: Alles, was neu aufgebracht wird, ist ein Irrweg, und jeder Irrweg führt in die Hölle.

5.
Befolge immer die Anweisungen deiner Herren. Es ist der Sinn deines Lebens, deinen Herren zu gefallen und ihre Gunst zu erwerben. Du darfst ihre Weisungen und Regeln nur missachten, wenn du sicher bist, dass niemand dein schändliches Tun beobachtet hat.

6.
Wenn du beobachtest, wie dein Nachbar eine Regel bricht, so empöre dich lautstark und verrate sein schändliches Tun an deine Herren. Labe dich sodann an seiner Bestrafung, sie sei dein Lohn. Denn du hast recht getan! Deine Herren sind barmherzig und weitsichtig! Wenn du beobachtest, wie deine Herren eine Regel brechen, so hast du falsch beobachtet. Wage es nie, deine Herren eines Regelbruches zu bezichtigen, denn du besitzt nicht die Weisheit, ihr Tun zu beurteilen. Du darfst sie aber beschimpfen, wenn sie es nicht erfahren.

7.
Polizisten und Beamte sind die Vertreter deiner Herren. Sie sagen dir, was zu tun ist, wenn es deine Herren nicht selbst tun. Ihre Weisungen sind zu befolgen wie die deiner Herren. Auch wenn sie dich regelmäßig berauben, weil du eine Regel gebrochen hast, so sage zu ihnen nie ein schlechtes Wort. Tust du es dennoch, erwartet dich große Pein.

8.
Rechtsanwälte sind die weisesten Menschen auf Erden. Ihrem Rat kannst du immer vertrauen, und wenn du Streit mit deinem Nachbarn hast, so kannst du einen Anwalt auf ihn hetzen und er wird ihn in deinem Namen zerfleischen und ihm große Pein bereiten.
Anwälte sind auch die einzigen Menschen, die über die Weisheit verfügen, Fehler deiner Herren zu erkennen. Aber hetze dennoch nie einen Anwalt gegen deine Herren! Das sei dir streng verboten! Tust du es dennoch, so bist du verdammt auf ewig! Außer, du bekommst neue Herren.

9.
Liege immer mit mindestens einem Menschen dauerhaft im Streit. Dies bringt dir Glück und Freude und viele Gelegenheiten, ihr schändliches Tun an deine Herren zu verraten. Deine Herren wissen, was gut für dich ist.

10.
Wenn du deinem Nachbarn oder deiner Familie dein Wort gibst, so musst du dich daran halten, sonst verlierst du deine Ehre und wirst verachtet. Hast du deine Ehre bereits verloren, so versuche sie, wiederherzustellen.

11.
Sei pünktlich! Umso pünktlicher, je wichtiger der ist, zu dem du gehst. Und der wichtigste ist dein allwissender Arbeitgeber.

12.
Wenn dir ein grässliches Missgeschick widerfährt, wie zum Beispiel ein schwerer Unfall oder Krankheit, so frage dich als erstes, wie dein Arbeitgeber die Sache aufnehmen wird.

13.
Hüte dich vor Menschen, die kein Bier trinken! Sie führen oftmals Übles im Sinn. Wenn sie jedoch eine andere Art von Alkohol trinken, so ist alles gut.

14.
Vergieße kein Blut! Schlage nicht einmal jemanden, auch wenn du ihn hasst und töten möchtest. Gehe lieber zum Rechtsanwalt, auf dass er dies für dich erledige. Rechtsanwälte sind allweise. Und wenn du doch schlagen musst, dann keine Schwächeren als dich selber. Trete ihn nicht, denn deine Herren lieben keine Treter. Waffen sind schändlich. Wenn du gewonnen hast und der andere am Boden liegt oder sich ergibt, so höre auf. Wenn er sich aber entschuldigt, so verzeihe ihm und trinke ein Bier mit ihm.

15.
Wenn Worte dir bedrohlich vorkommen, vertraue deinem Gefühl und setze dich dafür ein, dass die Sager verstummen. Verrate die Sager an deine Herren, hetze Anwälte auf die Hunde. Denn wahrlich: Worte führen zu Handlungen und Handlungen zur Gewohnheit. Worte sind gefährlich. Gedanken sind gefährlich. Rede und denke nur, wenn du deinen Herren damit gefällig bist.

16.
Keinen Arbeitgeber zu haben ist eine Schande! Dein Leben ist ohne Arbeit sinnlos und wertlos. Deine Regierung ist barmherzig und lässt dich nicht Hungers sterben. Doch ertrage willig jede erdenkliche Demütigung für deine Schande. Denn jeder ist das, was er arbeitet. Wer nicht arbeitet, ist somit ein Nichts.

17.
Wenn du etwas tun willst, vergewissere dich, ob es ein Gesetz gibt, das es erlaubt oder hole dir die Erlaubnis von deinen Herren ein. Wofür es kein Gesetz gibt, ist wahrscheinlich von Übel. Deine Herren sind allweise und haben für alles Wichtige in deinem Leben Gesetze und Vorschriften erdacht. Insbesondere Kritik und Protest gegen deine Herren ist weise geregelt. Halte die Regeln ein, und es wird dir an nichts mangeln.

18.
Du bist verantwortlich für die Taten deiner Vorfahren und deiner Kinder. Und du bist auch verantwortlich für die Taten deiner Nachbarn, wenn du ihr Tun nicht an deine Herren berichtest. Deine Herren sind allweise und wissen, was gut ist.

19.
Deine Vorfahren haben große Dinge getan, auf die du stolz sein kannst. Dein Volk ist das der Dichter und Denker, dein Blut edel und gut. Deutsche Wissenschaftler haben große Entdeckungen gemacht, die deutsche Gründlichkeit und Pünktlichkeit sind legendär. Gehe hin und eifere deinen Vorfahren nach. Gehe hin in die Welt und verkündige diese Botschaft allen Dummen, die es noch nicht wissen.

20.
Deine Vorfahren haben schreckliche Dinge getan, für die du mitverantwortlich bist. Fühle täglich diese schwere Schuld und gebe sie an deine Kinder weiter. Dein Blut ist auf ewig verseucht, tue Buße und erhalte dennoch nie Vergebung. [Vers offenbart 1945; es ist umstritten, ob der vorangehende Vers damit abrogiert wurde]

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