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Was ist eigentlich ein Nazi?

by - 3. August 2015

Im öffentlichen Diskurs ist man inzwischen sehr schnell bei der Hand, andere als Nazis zu bezeichnen. Man könnte meinen, 70 Jahre nach dem dritten Reich ist das überholt, aber keineswegs: Es wird mehr „genazt“ denn je zuvor. Tendenz weiter steigend.

Ein Nazivorwurf kann auch durchaus zutreffend sein. Beleuchten wir das mal kurz etwas näher.

Es gab mal eine Partei, eine Ideologie, eine Regierung, die jeder kennt, das waren die Original-Nazis. Die gibt es in dieser Form nicht mehr. Aber es gibt immer noch (oder wieder) Menschen, die ähnlich denken und sich entweder die Nazis zum Vorbild nehmen oder aber so ähnlich denken, ohne zu wissen, wie sehr ihre Denkweise mit denen der Nazis übereinstimmt.

Die Nazis lassen sich nicht auf eine einzige Eigenschaft reduzieren, aber einen halben Roman muss man auch nicht dazu schreiben. Ihre wichtigsten Kennzeichen waren:

– Rassismus
– Antisemitismus (zum Rassismus gesondert zu betrachten)
– Extremer Nationalismus (Auserwähltheitswahn)
– Führerkult
– Denken in völkischen Strukturen statt in Individuen
– Idealisierung von Härte und Unbarmherzigkeit

Wer heute noch all diese Punkte erfüllt, ist zweifellos ein Neonazi.
Aber Nazi ist auch jemand, der nur fünf dieser sechs Eigenschaften erfüllt, meinetwegen auch nur vier oder sogar nur drei. Keiner dieser sechs Eigenschaften ist erträglich.

Irgendwie weiß das auch jeder. Ich schreibe hier nichts grundsätzlich Neues. Dennoch ist die Zahl der Fehleinordnungen enorm. Nicht, weil man jemandem Nazieigenschaften zuschreibt, die nicht in dieser Liste sind, sondern weil man aus jemandes Ansichten vorschnell Nazieigenschaften schlussfolgert, die in dieser Liste sind.

Wenn man jemanden des Naziseins verdächtigt, kostet es ja eigentlich nichs, nachzufragen. Das fällt dennoch sehr vielen enorm schwer.

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From → Politik

2 Kommentare
  1. Maja permalink

    Ich wünschte, ich hätte Zeit, mich in eine geistreiche Diskussion zu stürzen. Immerhin sind wir beide Menschen mit offenem Weltbild, da sollte das durchaus einigen Sinn haben.

    Ich bestreite mal im Vorbeigehen, dass die aufgezählten Merkmale alle grundsätzlich unerträglich sind. Sie sind nur unerträglich, wenn man das Heil der Menschheit im totalen Individualismus und damit in der totalen Vereinzelung des Individuums sieht. Was ich für meinen Teil nicht tue und auch für gefährlich halte.

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