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Gibt es einen Schöpfer?

by - 26. Juli 2015

Ich bin Agnostiker, die Antwort lautet: Weiß ich nicht.

Aber wir Agnostiker werden unterschätzt, denn dieses „weiß ich nicht“ ist das Endprodukt wohlweislicher Überlegungen und diese Überlegungen haben die Religionen en passant widerlegt. Nicht widerlegt im mathematisch-logischen Sinne, denn Religionen sind in der Regel nicht falsifizierbar, aber reduziert auf den Status eines Romanheftchens. Das ist ebenso gut.

Die Religionen postulieren einen Schöpfer – eher selten deren mehrere – und argumentieren damit, dass unser komplexes Universum ja wohl kaum von selbst entstanden sein kann. Wer so was glaubt, glaubt auch an Schiffe, die ohne Besatzung Güter über den Ozean transportieren und korrekt alle Zielhäfen anlaufen. So ein altes Gleichnis, manche Leser erkennen es vielleicht.

Der alte Hut: Mangel an Vorstellungskraft. Die Vorstellungskraft endet bei der Vorstellung eines Schöpfers.

Aber gut, klären wir die Dinge doch mal kurz.

Das Universum existiert, das wird keiner abstreiten. Nun muss es irgendwie entstanden sein. – Oder halt, warum sage ich das? Es könnte doch auch schon immer existiert haben!
Einwand des Religiösen: Doch, es muss entstanden sein, alles ist ja irgendwann entstanden.
Und wie ist Gott dann entstanden? Ach, der ist ewig und war schon immer? Dann kann ja doch etwas schon immer existieren! Wenn wir das für Gott annehmen, können wir das auch gleich fürs Universum annehmen. Es gibt kein logisches Hindernis.

Aber gut, lassen wir die Sache mit der grundsätzlichen Entstehung mal beiseite. Wie ist denn das Leben entstanden, Pflanzen, Tiere, Menschen? Das deutet doch auf intelligentes Design hin!
Ja, es deutet hin, aber es gibt durchaus inzwischen auch Ansätze, das anders zu erklären. Allein im Bereich der Mathematik sieht man eine Reihe von sog. emergenten Phänomenen, wo aus einfachen Regeln plötzlich komplexe Strukturen sichtbar werden. Ich verweise hier als Beispiel auf das Apfelmännchen.

Es kann halt auch mal etwas aussehen, als wäre es Design obwohl es nur „Zufall“ ist. Klar, wenn ich einen Fleck auf dem Boden sehe, der aussieht wie die Mona Lisa, denke ich zuerst an einen Künstler. Wenn ich komische sechseckig-zylindrische Gesteinsformationen sehe, ebenfalls. Kennt jemand noch das Gesicht auf dem Mars, oder die gemutmaßten Pyramiden oder Wasserkanäle ebendaselbst?

Es ist also nicht verkehrt, zuerst an einen Designer zu denken. Es ist nur verkehrt, da mit dem Denken aufzuhören.

In Bezug auf das Leben brauchen wir vom Zufall zwar viel, aber nicht unendlich viel, denn wenn erst mal Leben in irgendeiner Form existiert, greifen die Regeln der Evolution. Und bei den Abermilliarden von Galaxien mit je Abermilliarden von Sternen ist es sogar vorstellbar, dass sich Leben nicht nur auf der Erde gebildet hat.

Ich muss mich aber nicht damit begnügen, eine alternative Erklärung bereitzustellen, ich kann die Schöpfertheorie auch angreifen.

Der Gläubige sagt, aus der Komplexität der Welt folgt, es muss einen Designer geben. MUSS. Okay, der Schuss geht aber nach hinten los, denn dann folgt aus haargenau derselben Logik, dass auch der Schöpfer einen Designer haben muss. Es ist nicht einzusehen, dass das komplexe Universum designt ist, aber jemand, der so etwas designen kann, selbst durch Zufall entstanden ist. Oder schon immer da war.

Um bei diesem Schiffsgleichnis zu bleiben: Meinetwegen muss ein Schiff eine Besatzung haben und auch einen Kapitän, wenn es zielgesteuert seine Häfen anläuft. – Und wo kommt die Mannschaft her? Die ist dann eines Tages geschlossen aus einem Häuschen am Hafen gekommen, ohne Mütter, Väter, Vergangenheit, und ging an die Arbeit, ja?

Wie auch immer wir es drehen und wenden: Alle Argumente, die der Gläubige auf die Existenz oder Beschaffenheit des Universums vorbringt, lassen sich auf die Existenz oder Beschaffenheit des mutmaßlichen Schöpfers spiegeln. Sein Gottesbeweis ist damit pulverisiert.

Das bedeutet nicht, dass wir Ungläubige damit auch einen Beweis erbracht hätten, dass es keinen Gott gibt. Wir haben lediglich bewiesen, dass es gleichermaßen möglich ist, dass es einen, zwei hundertneunundsechzig oder unendlich viele intelligente Schöpferwesen gibt – oder eben auch Null. Die Zahl Eins ist völlig willkürlich. Geboren aus dem Mangel an Vorstellungskraft („das muss doch einer designt haben!“), gepaart mit dem Verbot weiterzudenken („wer hat den Designer designt?“).

Selbst wenn wir uns nun in irgendeiner Weise einig werden könnten, es gäbe mindestens einen Designer, ist es noch ein sehr langer Weg bis zur Beantwortung der Frage, was er von uns Menschen will. Ob er überhaupt was will. Wer denkt, die Antwort auf diese Frage in irgendwelchen alten wirren Büchern zu finden – aus Zeiten, in denen die Menschen geisteswissenschaftlich und erkenntnistheoretisch eh noch nicht so weit waren wie heute; in Büchern, von denen es ohnehin mehrere gibt und die einander auch fleißig widersprechen, wenn sie nicht gar schon Widersprüche in sich selbst enthalten – den kann ich unter gar keinen Umständen ernst nehmen. Der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Und für so etwas klar Schwachsinniges dann einzufordern, man solle sich fünfmal am Tag hinlegen und seinen Kindern was vom Pimmel abschneiden, das ist schon ein starkes Stück.

Wer nicht mitmacht, die Zahl dieser Irren zu reduzieren, macht sich mitschuldig daran, wenn diese Irren uns wieder ins Mittelalter führen.

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From → Philosophie, Religion

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