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Integration

by - 26. Juni 2014

Ich selber habe türkische Freunde und Bekannte. Und exzessiv viele arabische Arbeitskollegen. Wobei ich jetzt alles Muslimische aus dem nahen Osten unter arabisch subsumiere (Syrien, Libyen, Jemen, Iran, Israel …)
Bei den meisten habe ich den Eindruck, dass sie in Bezug auf Religion weniger spirituell sind als einfach „mitmachen“, um ihre Identität zu bewahren und eine Zusammengehörigkeit zu pflegen. Kann natürlich auch falsch beobachtet sein. Wäre aber plausibel.

Wenn ich in ein fremdes Land gehen würde, um dort zu leben, würde ich meine Kultur und meine Werte auch mit mir nehmen. Ich könnte sie nicht ablegen. Ich würde mich mit Landsleuten assoziieren, wo ich sie anträfe. Je fremder die andere Kultur, desto stärker mein Bedürfnis, mit meinesgleichen unter uns zu bleiben. Aber auch das Bedürfnis, der anderen Kultur meine Werte zu bringen, darf nicht unterschätzt werden. Wenn ich als Arzt oder Sanitäter in Saudi-Arabien zu tun hätte, wäre es mir unmöglich, dort zu funktionieren, ich würde an den ständigen eklatanten Menschenrechtsverletzungen zugrunde gehen. Ich würde mit den Leuten dort, denen diese Menschenrechte nichts bedeuten, aneinandergeraten.
Ich habe kürzlich erst einen Artikel gelesen über Deutsche, die in der Türkei leben (möglicherweise ein Link von hier sogar). Sie agglomerieren sich und bleiben Deutsch. Und da, wo sie sind, drücken sie dem Ort ihren Stempel auf. Die deutsch durchsetzten Siedlungen „verdeutschen“. In Architektur, Infrastruktur, Organisationsstruktur.
Das ist ein natürlicher Vorgang. Assimilation ist daher eine sehr problematische Forderung, und gerade je stärker sich die fremde Kultur von der unseren unterscheidet, desto problematischer.
Ich mache keinem Ausländer irgendeinen Vorwurf, wenn er seine Kultur und damit seine Identität bewahren will. Wenn er lieber in seiner Parallelgesellschaft leben will als sich anzupassen. Und wenn man ihm die Gelegenheit bietet, als Beamter oder Politiker Karriere zu machen, wird er selbstverständlich versuchen, sein Wertsystem politisch zu verwirklichen. Würde ich auch tun, wenn man mir in Saudi-Arabien so eine Gelegenheit böte.

Unser Grundgesetz bzw. die Gesetze fußen auf Werten unserer Kultur. Ich halte es für töricht zu glauben, dass die Zuwanderer aus dem muslimischen Kulturkreis es respektieren. Sie halten sich daran, weil es eben Gesetze sind.
Respektiere ich es denn, dass in arabischen Ländern Leute wegen ihrer Religion inhaftiert und hingerichtet werden? Respektiere ich Kinderehen, Sklaverei, Klitorisabschneiden etc.? Respektiere ich es, dass Mädchen in einem Schulgebäude verbrennen, weil die Religionspolizei sie ohne Schleier nicht auf die Straße läßt? Natürlich nicht! Aber ich würde mich, wenn ich in einem Land leben würde, wo das so ist, entweder an die Gesetze halten oder schwerst anecken.
Franzosen, Spanier, Engländer, die USA, sogar die Russen – sie gehören zu unserem Kulturkreis. Es gibt Unterschiede im Detail, aber die christliche Grundsubstanz und das gemeinsame Wertsystem lassen sich nicht wegdiskutieren. Bei den Ostasiaten scheint es mir so, dass der Kulturkreis zwar ein völlig anderer ist, aber das Wertesystem ist aufgrund eines historischen Zufalls dem unseren sehr ähnlich. Darum passen wir trotz aller Unterschiede im Detail doch gar nicht so schlecht zusammen.

Ich mache keinem Ausländer einen Vorwurf, dass er ein Mensch ist, menschliche Bedürfnisse hat und sich menschlich verhält. Keine Sekunde lang.
Der Vorwurf, so ich denn überhupt einen zu machen hätte, geht vielmehr an die hiesige Politik, die die Bildung von Parallelgesellschaften fördert und einen Widerwillen – wenn nicht gar unterschwelligen Hass – gegen die eigene Kultur verbreitet. Solange sich hier im Grundsatz nichts ändert, nützen uns weder Gesetze noch Sozialarbeit. Es müsste sich in den Köpfen der Menschen etwas verändern.
Möglicherweise tut sich da sogar schon etwas. Aber ich bin noch weit davon entfernt, optimistisch zu sein.

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From → Philosophie, Politik

One Comment
  1. Das sehe ich genauso, und das Phänomen der Parallelgesellschaften lässt sich sogar auf andere Bereiche ausweiten, nämlich überall dort, wo es Milieus Gleichgesinnter gibt. Da gibt es das „Künstlerviertel“, das „Arbeiterviertel“, das „VIllenviertel“ etc, die sich nicht nur aus Gründen der Einkommenssituation gebildet haben. Es werden auch Werte und Ansichten geteilt.

    In meiner Vergangenheit habe ich sehr viel und z.T., auch sehr privaten Kontakt zu Menschen vom nahen Osten gepflegt, allesamt hoch gebildet und man könnte auch sagen „weltoffen“. Das Problem, was Thilo Sarrzazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ auf andere Kulturen abwälzen wollte, ist in Wirklichkeit ein soziales Problem. Für Deutsche aus den „bildungsfernen“ Schichten gilt das genau so. Mit meinen muslimischen Freunden konnte ich kulturelle und religiöse Erörterungen auf hohem Niveau halten, ohne dass sich dabei jemand angegriffen fühlte. Mir waren diese Gespräche stets eine Bereicherung, eine „Weiterbildung“ wenn man so will, auf jeden Fall aber eine kleine aber bedeutsame Revision meiner alten Sichtweisen. Aus diesem Grund bin ich klarer Fürsprecher von Multikultigesellschaften, da das Bild abgekapselter Parallelgesellschaften nicht ganz stimmt, denn es gibt genug Berührungspunkte, die es möglich machen, von einander zu lernen und die eigene Kultur nicht als das Non plus ultra zu betrachten. Aber wie gesagt, mit verblendeten Menschen ist dies kaum möglich, ganz egal vorher sie stammen. Aber auch diese Menschen können ihre Scheuklappen verlieren, wenn man sich ihnen mit Vorischt und Einfühlungsvermögen nähert. Menschen, die sich wegen ihrer Andersartigkeit permanent angegriffen fühlen, weil sie das auch tatsächlich werden, verschanzen sich recht schnell dort, wo sie Anerkennung finden, und das ist nunmal dort, wo Gleichgesinnte leben. Mit politischen Maßnahmen ist das nicht zu erreichen, sie führen, so scheint mir, oft zum Gegenteiligen. Es kann nicht darum gehen, Wörter wie „Neger“ aus dem Wortschatz zu bannen, sondern darum, diese Wörter zu benutzen und dabei etwas ganz anderes zu meinen als damals, nämlich einen Menschen wie du und ich, sonst treten wir noch jahrelang in irgendwelchen Euphemismus-Tretmühlen.

    „Es müsste sich in den Köpfen der Menschen etwas verändern.
    Möglicherweise tut sich da sogar schon etwas. Aber ich bin noch weit davon entfernt, optimistisch zu sein.“ -> Wie wahr, wie wahr….

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