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Was ist Glück? Was Zufriedenheit?

by - 3. Juni 2014

Ich habe in meinem Leben Phasen der Zufriedenheit, der Unzufriedenheit, Des Glücks und des Unglücks erlebt, und ich habe mir sehr viele Gedanken dazu gemacht und viele Diskussionen geführt.

Meyers großes Taschenlexikon definiert Glück als das Einssein mit seinen Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen. Damit bin ich nicht zufrieden („zufrieden“, haha). Und den Begriff Zufriedenheit erklärt es gar nicht.
Manchmal sind Definitionen ganz komisch. Man denkt, es sei vollkommen klar, was gemeint ist, aber wenn man es umschreiben soll, kriegt man Probleme.
Für mich sind die vier Begriffe sowas wie Ortsnamen auf einer Achse von Gefühlen.
Ganz links steht das Unglücklichsein, ganz rechts das Glücklichsein. Je weiter links das Gefühl ist, umso schlechter geht es einem, und umso mehr wünscht man sich aus der Situation heraus. Je weiter rechts es ist, desto mehr wünscht man, dass der Zustand nie vorbeigehen möge.

Das sind meiner Meinung nach aber keine stabilen Zustände. Es gibt jeden Tag Plusgefühle und Minusgefühle, und die Bewertung der Summe von allem zusammen ergibt das „Lebensgefühl“. Wenn jemand mehr Plusgefühle als Minusgefühle hat, kann man ihn „zufrieden“ nennen. Es ist nicht so, dass einer, der zufrieden ist, keine Wünsche mehr hat, und einer, der unzufrieden ist, immer mies drauf ist. Das findet sich erst an den Extremen der Achse: Glück und Unglück.
Wenn man von gewissen Erkrankungen absieht, sind Glück und Unglück so gut wie immer Reaktionen auf äußere Ereignisse, die außerordentlich bewertet werden. Und beide Gefühle, sowohl das Hochgefühl als auch das Tiefgefühl sind nicht von Dauer. Das eine leider, das andere gottseidank.

Wer sein ganzes Leben „nur“ zufrieden ist, verpasst natürlich etwas, wenn man ihn mit jemandem vergleicht, der immer mal wieder auch glücklich ist. Aber gegenüber einem, der unzufrieden oder gar unglücklich ist, steht er haushoch besser da.

Natürlich kann der Neurowissenschaftler diese Dinge als Prozesse im Hirn lokalisieren und beschreiben. Mit Medikamenten kann man inzwischen ganz gut krankhaftes Unglücklichsein (Depressionen) behandeln. Und rein theoretisch kann man auch auf chemischem bzw. technischem Wege ein permanentes Glücksgefühl erzeugen. Einige Drogen tun nichts anderes als das. Das führt allerdings dazu, dass die betreffende Person nichts anderes mehr will, als diesen Zustand nicht mehr verlassen zu müssen. Und zwar buchstäblich nichts anderes mehr. Weder mit anderen reden, noch Geld verdienen, noch essen, noch schlafen. Mit dieser Person ist nichts mehr anzufangen. Und das ist gruselig. Selber so einer zu sein ist gruselig.

Mein ehemaliger Religionslehrer hat mal im Unterricht gesagt, wenn er einen Wunsch hätte, würde er sich Zufriedenheit wünschen. Damals fanden wir das alle extrem clever.
Aber seit Geschichten wie „Die Affenpfote“ gelesen habe, habe ich gedacht: Sei vorsichtig, was du dir wünschst. Du könntest einen schweren Unfall haben, plemplem werden und den Rest deines Lebens als Sabberkopf im Pflegeheim verbringen. Du hättest keine Sorgen mehr. Du wärst zufrieden. Aber willst du SO zufrieden sein?

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From → Philosophie

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