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Gott und Naturwissenschaften

by - 4. Mai 2014

Früher waren es die Götter bzw. Geister und Dämonen, die für Donner, Blitz, Jahreszeiten und alles zuständig waren. Doch bevor wir allzu arrogant auf die „Naturvölker“ blicken, die in diesem Zeitalter stehengeblieben sind, herabblicken, sollten wir uns klarmachen, dass sich darin auch bei uns bis heute im Grunde nichts geändert hat! Jedenfalls nicht bei denen, die bis heute an irgendeine Form von Gott glauben, und das sind recht viele, und auch Physiker sind darunter.
Geändert hat sich lediglich das Bild, aber nicht das Konzept. Die Entwicklung der Naturwissenschaften ist in erster Linie eine Entwicklung in der mathematischen Beschreibung der Natur. Und diese Mathematik kann man sich zunutze machen, das nennt sich dann Technik.
Aber wir wissen nach wie vor nicht, warum die Naturgesetze sind wie sie sind. Warum es überhaupt Naturgesetze und ein Universum gibt und nicht Nichts ist. Wir wissen auch nicht, wie das Universum entstanden ist, und machen dabei bereits die Annahmne, es sei überhaupt entstanden. Vielleicht war es schon immer da, aber diese Vorstellung übersteigt letztlich das Vorstellungsvermögen. Man kann es aussprechen und auch daran glauben, aber man kann es sich nicht vorstellen.

Vieles ist letztlich lediglich eine Frage von Vorstellungskraft oder dem Mangel davon. Stellen wir doch mal die Frage: Warum eigentlich glaubt heute keiner mehr, dass Thor die Blitze schleudert? Weil sich unsere Vorstellungskraft erweitert hat. Ohne jede Kenntnis der Physik kann man sich das Zustandekommen von Blitzen eben nur mit einer Person erklären, die mit diesen Blitzen um sich wirft. Das ist anthropomorpher Analogismus. Man erklärt etwas, das man nicht begreift, mit etwas, das man begreift. Oder zumindest zu begreifen glaubt.
Bei Fragen nach dem Warum der Naturgesetze und der Entstehung des Universums ist das immer noch so: Da man es nicht weiß und auch nicht erklären kann, muss eine menschenähnliche Gestalt her, die das halt irgendwie „gemacht“ hat. Und das ist Gott.
Die naheliegende Frage, wer denn Gott erschaffen hat, wird ausgeblendet. Es gibt eigentlich kein Argument, anzunehmen, warum das Universum nicht schon ewig existieren kann und zwingend einen intelligenten Schöpfer benötigt, aber der Schöpfer selbst keinen Schöpfer benötigt. Darüber wird nicht nachgedacht, es ist ein blinder Fleck im Auge des Verstandes.
Ich habe gerade geschrieben, dass Gott menschenähnlich gedacht wird. Viele Gottgläubige werden jetzt aufheulen und widersprechen. Man stellt sich Gott nicht mehr als alten Mann mit weißem Bart auf einer Wolke vor! Das ist eine unvorstellbare Urkraft. Ein Urprinzip! Hat mit dem gewöhnlichen Menschen nichts gemein!
Alles hohle Phrasen. Meinetwegen kein alter Mann mit weißem Bart, aber letzten Endes immer noch eine Person. Ein intelligentes Wesen.
Und je religiöser der Mensch ist, um so anthropomorpher ist Gott. Mit menschlichen Eigenschaften wie der Fähigkeit zu Liebe, Zorn, Moral, Rachsucht, etc. Wo also ist der grundlegende Unterschied zum Götterglauben der Wikinger oder Römer oder Ägypter oder Babylonier? Ist doch nur das Aussehen. Der moderne Gott hat überhaupt kein Aussehen mehr. Aber er ist letzten Endes immer noch Thor. Oder Ganesch, JHWH, Ra, Quetzalcoatl oder (hier einen Namen nach Belieben einsetzen).
Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es nicht nur naturwissenschaftlich unmöglich, die Existenz von Gott zu beweisen oder zu widerlegen, wir können es auch nicht falsifizieren, dass es Quetzalcoatl ist, der mit unendlicher Mühe und Geduld jeden Tag dafür sorgt, dass die Atomkerne des Universums nicht platzen – was sie ja eigentlich müssten. Schließlich bestehen sie aus positiv geladenen Protonen, die sich abstoßen.

Warum lachen Sie? Ist das lustig? Gar absurd? Aber warum? Warum ist das absurder als ein Gott, der zum Beispiel verlangt, Jungs nach der Geburt den Pimmel zu schälen?

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From → Philosophie, Religion

One Comment
  1. Mark M. permalink

    Ein klar denkender Mensch, heutzutage ja scheinbar eine seltene Perle 😉
    Früher wären sie nicht sehr alt geworden, das ist aber auch das einzige was sich scheinbar in der Welt gebessert hat..

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