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Religion

by - 16. September 2013

Religion ist eine der großen Krankheiten der menschlichen Natur. Ausrottungswürdig und zugleich unausrottbar wie zahlreiche Infektionskrankheiten.
Vorneweg; Ich werde nicht versuchen, irgendjemanden, der einer Religion anhängt, davon zu überzeugen, dass diese falsch ist. Es würde hunderte von Seiten brauchen, um pro Religion meine Argumente auszubreiten, und es würde niemanden überzeugen. Jemand, der an die Macht alter Bücher, toter Zimmermänner, bärtiger Propheten und anderer obskurer Dinge glaubt, der hat der Vernunft auf diesem Gebiet entsagt, und es gibt kein bekanntes Mittel, an seinen Verstand heranzukommen. Ich habe früher viel und gerne mit den Zeugen Jehovas diskutiert. Die haben sich ja auch angeboten, als sie noch an den Türen klingelten und ihre Wahrheit zu verbreiten suchten. Dabei habe ich meine Argumentationsfähigkeit sehr geschult. Im Prinzip bin ich in der Lage, jede Diskussion zu gewinnen, egal um welches Thema es geht. Nur merkt das der Verlierer nicht, und somit ist die Sache witzlos.
Einleitung Ende.

Religion entstand mit dem Erwachen des Bewußtseins als Versuch, die Welt zu begreifen. Vor allem den eigenen Tod. Und diesen Wunsch hat der Mensch immer noch, das Verlangen ist in jedem Individuum fest verwurzelt. Blitze, Erdbeben und Krankheiten kamen eben von den Göttern, so fing die Sache an. Irgendwann begann der Mensch das eine oder andere Naturphänomen besser zu verstehen, und der Einfluss der Götter zog sich zurück.
Die Wissenschaft hat der Religion inzwischen sehr viel Terrain abgejagt. Es gibt jedoch eine Reihe von Fragen, auf die die Wissenschaft wahrscheinlich nie eine Antwort geben können wird, und allen voran stehen die Fragen nach dem Sinn des Lebens und eines möglichen Lebens nach dem Tod. Diese Antworten finden sich weiterhin in den Religionen, und deswegen kann Religion als menschliches Phänomen nie aussterben.
Vom Grundsatz her ist das schon in Ordnung. Diese Fragen sind ja durchaus quälend, und die Religion bietet Antworten. Sie mögen mit Realität und Logik kollidieren oder auch nicht, in jedem Fall erfüllen sie in der Regel ihren Zweck: Sie schließen die angsteinflößenden Lücken des Weltbildes und wirken auf diese Weise angenehm. Schade ist allerdings, dass immer noch so viel geistige Energie, die man sinnvoller in die Verbesserung unserer Welt stecken könnte, in den antiken Religionen versandet. In Gedankenkonzepten und Mythen, die im 21. Jahrhundert längst als falsifiziert bzw. irrelevant gelten könnten. Sie sind einfach nicht totzukriegen.
Was ist das Problem? Gibt es überhaupt eins? Ja, gibt es. Zwei. Das introvertierte und das extrovertierte Problem.

Introvertiert sind jene religiösen Probleme, die zugleich auch Privatsache sind. Die gängigen Religionen haben beileibe nicht nur positive Effekte. Religion kann auch eine Belastung sein, wenn ihre Regeln mit den Urbedürfnissen des Menschen in Konflikt stehen. Typischerweise haben Religionen irgendwelche Sex- und Speiseverbote, und ein klassischer Konflikt ist das katholische Zölibat, ganz besonders wenn der Priester sich verliebt. Es kann auch andere Konflikte geben. Einer davon hat Martin Luther nahe an den Wahnsinn gebracht: Er fürchtete, der göttlichen Erlösung nicht würdig zu sein und der Verdammnis anheimzufallen und nichts dagegen tun zu können. Diese Lösung dieser Konflikte ist oft eine Abwendung von der alten Religion, meist hin zu einer anderen oder einer selbsterfundenen. Es ist der häufigste Grund, die Religion abzulegen oder zu wechseln, nicht die intellektuelle Erkenntnis, dass man bisher an Schwachsinn geglaubt hat. So führte Luthers Konflikt zur Reformation.
Die introvertierten Probleme von Gläubigen gehen mich eigentlich nichts an. Ich gebe zu, die Betroffenen tun mir manchmal leid und ich würde ihnen gerne helfen. Allerdings bin ich dazu nicht imstande.

Extrovertiert sind jene religiösen Probleme, mit denen die Gläubigen nicht sich selbst sondern ihre Mitmenschen belästigen. Die Zeugen Jehovas, die an der Haustür klingeln und einen von ihrem Dünnsinn überzeugen wollen, sind eine harmlose Variante. Weniger harmlos aber Vergangenheit waren die zahlreichen Ausrottungkampagnen des Christentums gegenüber den Anhängern anderer Religionen. Gegenwärtig existieren noch gewisse gesetzliche Sonderrechte von Kirchen sowie in manchen Ländern der wissenschaftsfeindliche Vormarsch des Kreationismus. Im Großen und Ganzen ist das Christentum in Europa jedoch auf dem Rückzug, größere Katastrophen sind nicht mehr zu erwarten. Der Islam ist dagegen eher auf dem Vormarsch, und der Islam ist eine Religion, die Nichtgläubige als minderwertig einstuft und offen zur Gewalt aufruft.

Wie schon mehrfach gesagt, ist es nicht möglich, einen Gläubigen zur Vernunft zu bringen. Solange seine Religion keine Probleme verursacht oder nur introvertierte, besteht hier auch kein Handlungsbedarf. Doch was machen wir mit extrovertierten Gläubigen? Die wollen uns ja ans Leder.
Nun, das ist leider alles andere als trivial. Man muss dafür sorgen, dass sie in unserem Land keine Macht erhalten oder wenn sie schon welche besitzen, diese wieder verlieren.
Wie das genau anzustellen ist, ist ein anderes Thema und ein weites Feld dazu. Natürlich ohne Gewalt. Das sollte selbstverständlich sein, aber es wird einem von seinen politischen Feinden aus rhetorischen Gründen gern und schnell unterstellt. Die Macht der Kirchen ist – in den letzten Jahrzehnten zumindest – ganz ohne Gewalteinsatz geschwunden. Aufklärung ist der Schlüssel.

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From → Philosophie

7 Kommentare
  1. hanscastorp76 permalink

    Hallo,
    bin ich der Erste, der kommentiert?
    In einigem kann ich Dir zustimmen, aber alle Gläubige als Unvernünftige zu bezeichnen ist wohl bisschen zu viel des Guten. Ist das die gleiche Polemik wie die von Dawkins, die schon paradoxerweise inquisitorische Züge aufweist? Was ist mit Toleranz? Was mit dem historischen Umstand, das das Grundgesetz nicht nur in seiner Präambel Gott anführt, sondern die Grundgesetzväter auf das jüdisch-christliche Erbe zurückgriffen?
    Ein bisschen differenzierter täte schon gut, besonder da Du ja jede Diskussion gewinnst! 😉

    • Warum ist das zuviel des Guten? Ich sehe keinen Grund, das zu relativieren. Unvernunft ist Unvernunft, egal welches Fantasy-Buch dazu die Grundlage bildet.
      Du scheinst das ja anders zu sehen. Was genau würdest du differenzieren wollen und mit welchem Argument?
      Dawkins kenne ich nur dem Namen nach, deswegen kann ich mich mit ihm nicht vergleichen.
      Toleranz ist die Fähigkeit, Dinge zu ertragen und sich mit ihnen zu arrangieren, mit denen man nicht einverstanden ist. Ich finde jeden Religiösen schade, fühle aber keine Veranlassung, ihm Böses zu wollen. Allerdings sind mir diese Leute von Grund auf unheimlich. Wobei es je nach Religion Unterschiede gibt. Ein Buddhist ist okay, fundamentale Juden und Christen bereiten mir bereits Sorgen und ein fundamentaler Muslim ist etwas, das die Grenze meiner Toleranz bereits überschreitet.

      • hanscastorp76 permalink

        Das ist natürlich ein weites Feld. Ich halte den Fundamentalismus jedweder couleur auch für gefährlich und unvernünftig. Die Bibel wörlich zu nehmen, wie die Zeugen Jehovas es beispielsweise tun, ist dem gegenstand auch nicht angemessen, um es vorsichtig auszudrücken. Aber 2000 Jahre Theologiegeschichte,davon auch zu großen Teilen Philosophioegeschichte mit all ihren Differenzierung als unvernünftig in den orkus der Geschichte zu befördern, wie das heutzutage gerne getan wird, halte ich auch für unvernünftig. Es gibt schließlich auch Grenzen der Vernunft (siehe Kant), diese einzusehen und respektieren lässt auch Raum für Religiöses und ist selbst ein Akt der Vernunft: „There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.“
        Ausführlicher habe ich das hier ausgeführt:http://333keilerei.wordpress.com/
        Ist nicht mein blog, aber vlt. hast Du Lust mitzumachen.. Deinen blog finde ich interessant und sehr vielseitig.Ich bin nicht auf Religion festgelegt, vlt.kommentiere ich auch mal ein anderes Thema.

        • Zunächst mal danke fürs Lob. Es gibt in der Tat noch andere Themen.
          Was ich nicht ganz nachvollziehen kann: Warum soll man etwas, das sich als Substanzlos herausgestellt hat, nicht in den Orkus befördern? Es werden doch nicht Dinge dadurch wahrer oder besser, je länger jemand an sie glaubt. Und wenn es 200.000 Jahre wären, was machte das für einen Unterschied?
          Die Ägypter haben auch etwa 2000 Jahre lang an irgendwelche Götter geglaubt. Und ich will gar nicht wissen, wie lange die Menschen dachten, die Erde sei eine Scheibe. Wollen wir daran festhalten, weil das alles so altehrwürdig ist?
          Diese Dinge können gerne ihren Platz innerhalb der Geschichtswissenschaften behalten, aber im 21. Jahrhundert sind sie überholt und veraltet.

  2. hanscastorp76 permalink

    Wenn es sich als Substanzlos herausgestellt hat, dann ist es wirklich nicht wert, dem viel Beachtung zu schenken. Aber wer hat wie wodurch Religion oder Ähnliches
    als Substanzlos erwiesen? Dass die Erde z.B. nicht in 7 Tagen erschaffen wurde, geschenkt! Aber vielleicht transportiert diese Geschichte eine gewisse Wahrheit z.B. in einer existenziellen Art und Weise, die sich auch heute noch deswegen vielen Menschen erschließt. So das Bild der Gottebendlichkeit, die auch gewisse anthropologische Aussagen enthält, die auch zur Begründung der Menschwürde fruchtbar gemacht wurden und werden. Also ich fände es schade, wenn man solche jahrhundertelangen Traditionen, die neben einigem Unsinn auch gewisse Weisheiten enthalten, einfach so ignorierte. Und wenn man gar nichts damit anfangen kann, sollte man zumindest sehen, dass unsere Kutur, auch inn ihrer säkularisierten Form, stark davon geprägt wurde.
    Zumindest finde ich es unvernünftig, wenn man solch ein Erbe einfach ignoriert, das macht man ja auch nicht mit den alten Griechen z.B., die auch natürlich uns fremd anmutende Vorstellungen hatten. Aber deswegen kommt doch kein gebildeter Mensch auf die Idee zu sagen, Sokrates, Platon, Solon usw. haben sich in Gänze erledigt.

  3. Ich habe nichts von Ignorieren gesagt.
    Ebenso, wie man den Nationalsozialismus nicht ignorieren sollte, sonst läuft man Gefahr, ihn zu wiederholen.
    Man kann die Religion ohnehin nicht ignorieren, da unsere Gesellschaft vom Christentum geprägt wurde und noch heute viele Werte auf den alten Werten aufbauen.
    Substanzlos ist der Glaube an einen anthropomorphen Gott mit widersprüchlichen Eigenschaften. Man kann zur Kenntnis nehmen, dass ganze Kulturen an so einen geglaubt haben und glauben, aber es bleibt dennoch eine Sache, über deren Notwendigkeit wir uns längst hinaus entwickelt haben, und die uns in unserer weiteren Entwicklung nur noch hemmt.

  4. hanscastorp76 permalink

    „Ich habe nichts von Ignorieren gesagt.“

    O.k. Da habe ich Dich falsch interpretiert.

    „Substanzlos ist der Glaube an einen anthropomorphen Gott mit widersprüchlichen Eigenschaften.“

    Volle Zustimmung. Aber ich würde sagen, dass die meisten Theologen in den 2000 Jahren Gott anders gedacht haben. Da ist z.B. die „negative Theologie“ zu nennen, die Gott nicht definiert, sondern nur zu negativen Aussagen über ihn kommt. Meister Eckhart, Nikolaus von Cusanuns, Spinoza und eigentlich fast alle ernsthaften Theologen seit der Aufklärung haben gesehen, dass eine anthropomoprhe Gottesvorstellung falsch und sogar gefährlich ist.
    Gut, wenn sich das Christentum erledigt hat, dann rücken andere Religionen an seine Stelle. Ich würde sagen, dass der Kapitalismus schon religiöse Dimensionen erreicht. Ich finde, dass ein aufgeklärtes Christentum ein wichtiges Korrektiv wäre, sonst geht zwar keiner mehr in den Gottesdienst, aber schaut in Heils- und Unheilserwartung nur noch auf die Aktienkurse, um es pointiert zu sagen.

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