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Evolution oder Schöpfung?

by - 4. September 2013

Ich bin heute zufällig in ein Gespräch von zwei Arbeitskollegen gestolpert, die sich darüber unterhielten, ob die Bibel Dinosaurier erwähnt. Ein Kollege (zu meiner Überraschung Kreationist) war der Meinung, dass sie im Buch Hiob Erwähnung finden. Als ich erwiderte, dass Dinosaurier ganz gewiss in der ganzen Bibel nicht vorkommen, meinte er, dass wenn ich die Bibel nicht kenne, ich mir Kommentare verkneifen soll. Und verließ beleidigt den Raum.
Was er nicht weiß: Ich kenne die Bibel wahrscheinlich besser als er selbst. In der Diskussion mit mir gehen sogar die Zeugen Jehovas in die Knie. Aber kommen wir vom anekdotischen Smalltalk zum Eingemachten: Gibt es Dinosaurier in der Bibel?
Im Schöpfungsbericht, wo sie von der Systematik am ehesten reingehören würden, kommen sie in der Tat mit keiner Silbe vor. Generell kommt darin nicht vor, dass es vor dem Menschen Tiere gab, die es bei seinem Auftauchen nicht mehr gab. Was natürlich ein rechter Kreationist ist, den wird das nicht beeindrucken, für den lebten zu Adams Zeit die Saurier noch und sind erst später ausgestorben.
Und nun die Passage von Hiob. Da wird ein Wesen namens Behemoth erwähnt. Genauer gesagt bedeutet Behemoth „Tier“, im Plural, was jedoch nicht mehrere Tiere meint, sondern es ist sowas wie der Plualis majestatis, am besten übersetzt man es als hohes Tier oder Supertier.

Sieh doch den Behemoth, den ich mit dir gemacht habe; er frißt Gras wie das Rind. Sieh doch, seine Kraft ist in seinen Lenden, und seine Stärke in den Muskeln seines Bauches. Er biegt seinen Schwanz gleich einer Zeder, die Sehnen seiner Schenkel sind verflochten. Seine Knochen sind Röhren von Erz, seine Gebeine gleich Barren von Eisen.

Aus dieser Beschreibung wollen einige herauslesen, es handele sich um einen Brachiosaurus. Andere meinen, es sei das Nilpferd gemeint, weshalb in manchen Bibeln auch tatsächlich Nilpferd steht. Wie auch immer: Ich finde, man kann hier alles und nichts hineininterpretieren. Interessanter ist da schon die Beschreibung des Leviathan, die ähnlich unkonkret ist, aber das Vieh kann Feuer und Rauch spucken, ist also am ehesten ein Drache. Davon abgesehen ist der ganze biblische Dialog, in dem diese beiden Tiere vorkommen, von unerträglicher Schwachsinnigkeit. Aber ich schweife ab. Es gibt noch ein paar sehr wichtige Dinge in diesem Beitrag zu schreiben und es ist schon spät.
Würden Dinosaurier tatsächlich eine Rolle in der Bibel spielen, wäre das natürlich denkwürdig, denn woher sollten die Bibelschreiber Kenntnis von ihnen haben? Allerdings wäre es nicht gleich ein Beweis dafür, dass die Schöpfungsgeschichte die Wahrheit ist, denn dass in einem Text neben Wahrem auch zugleich Unwahres steht ist ja weniger die Ausnahme als der Regelfall.
Nach dieser biblischen Einleitung kommen wir zum titelgebenden Gegensatz: Evolution oder Schöpfung? Nun, es gibt durchaus Argumente gegen die Evolutionstheorie, das sei nicht in Abrede gestellt und die wichtigsten seien hier gleich genannt: Es gibt keine bisher bekannte Mutation, die aus der Art herausführt. Mutationen gibt es natürlich, und zwar auch nützliche, und im gewissen Rahmen können sie auch zu Artveränderungen führen. Die Darwinfinken auf den Galapagos-Inseln mit ihren spezialisierten Schnabelformen sind dafür ein sehr gutes Beispiel, aber auch der Mensch selbst, der in sonnigeren Regionen eine dunklere Hautfarbe zum Schutz aufweist. Aber diese ganzen Veränderungen verändern nicht die Art. Dazu sind viel mehr und tiefgreifendere Veränderungen an der DNA erforderlich. Und derlei ist nicht nur bisher nicht beobachtet worden, es ist auch unter Laborbedingungen oder sogar nur in der Theorie nicht so ohne weiteres nachzustellen, wie das eigentlich gehen soll. Außerdem fehlen in der Natur aber auch in den Fossilien endlos viele Zwischenformen. Dass eine Spezies langsam, Schritt für Schritt aus einer anderen hervorgeht, scheint falsch zu sein. Falls es Änderungen gibt, erfolgen diese offenbar in Sprüngen und die neue Art ist in ihren Eigenschaften wieder sehr stabil.
Was für die Evolution spricht, ist die Tatsache, dass wir das Alter von Knochenfunden bestimmen können und so zur relativ gesicherten Erkenntnis kommen konnten, dass die Tiere nicht plötzlich alle auf einmal da waren, sondern jede Art zu einer bestimmten Zeit auf der Erde erschienen ist, und die primitiven Lebensformen waren zuerst da und dann die komplexeren. Und das Ganze nicht in sechs Tagen, sondern über viele Millionen Jahre hinweg. Und viele Lebensformen sind auch wieder von der Erde verschwunden, lange bevor andere aufgetaucht sind. Dass es eine Entwicklung gegeben hat mit zahlreichen Sackgassen kann und sollte nicht bestritten werden. Und mit der Reihenfolge, wie sie die Bibel beschreibt, passt es hinten und vorne nicht zusammen, auch wenn es zahlreiche Versuche von „Bibelwissenschaftlern“ gibt, das herbeizuerklären.
Um es zusammenzufassen: Dass eine langsame Entwicklung des Lebens stattgefunden hat, bei der ständig alte Arten ausgestorben und von neuen höherentwickelten abgelöst wurden, ist Tatsache. Wie allerdings der Sprung von einer Art zur nächsten genau abäuft, das ist bis heute nicht klar. Und hier kann man (noch) gerne glauben. Es ist allerdings nicht erforderlich, immer das Erstbeste zu glauben, was einem eine Erklärung verspricht. Aus meiner Sicht ist es sehr befremdlich, wie man an im 21. Jahrhundert noch an die göttliche Wahrheit irgendwelcher alten Bücher mit nebulösen Inhalten glauben kann, wo einem doch inzwischen so viele Wissensquellen offenstehen und man längst weit über den Tellerrand der eigenen Kultur hinaussehen kann.

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From → Religion

2 Kommentare
  1. Der Unterschied zwischen Kreationismus und Evolutionstheorie und die Debatte, die darum geführt wird sind eigentlich völliger Nonsens. Die Kreationisten fürchten um den Einfluss der Bibel und führen nun einen Kampf auf einem Gebiet, das nicht das ihre ist. Die Bibel ist ein vorwissenschaftliches Zeitdokument und eine Glaubensgrundlage, das in jener Zeit verfasst wurde, als Symbole und Zeichen noch eine Vormachtsstellung im menschlichen Denken ausmachten. Diese ist längst an die Wissenschaften übergegangen, die aber nur harte Fakten präsentieren. Menschen benötigen aber beides: Symbole und Fakten, Glauben (Faith) und Wissen. Der Mensch hat die Fähigkeit, die erfahrbare Welt immer besser zu erkennen und darüber hinaus sie zu transzendieren. Kommt dabei eine „Welt“ zu kurz, entsteht unmittelbar eine Gegenbewegung, wie auch hier bei der Debatte zwischen Kreationismus und Evolutionstheorie. Es ist völliger Humbug, die Bibel wissenschaftlich zu lesen oder die Evolutionstheorie symbolisch zu deuten. Jeder Mensch bevorzugt seine eigene Denkweise, und die eine ist eher objektiv-wissenschaftlich ausgerichtet und die andere transzendent-religiös bzw. metaphysisch. Es gibt Menschen, die beide Denkweisen gleichermaßen beherrschen und beherzigen, und auf die wirkt der Kampf, der zwischen beiden einseitigen Position ausgefechtet wird, einfach nur lächerlich.
    Leider findet die Debatte nun auch auf höchster politischer Ebene statt, wie z.B. in den USA – aber eben „nur“ politisch. Es geht den Politikern allein um Wählerstimmen, und wenn die eine Partei noch ein paar Stimmen braucht, dann lehrt sie den Kreativismus an ein paar Schulen und schon bekommt sie die entsprechenden Stimmen. Braucht sie die Stimmen nicht mehr, ist auch der Kreationismus als Schulfach obsolet.
    Wissen ist nicht das Gegenteil von Glauben, sondern es sind zwei verschiedene Dimensionen menschlichen Denkens/Seins. Beiden geht es um eine Entwicklung im Sinne des Menschen und der Menschheit – und beide sind, wenn man so will, auf Irrtümer aufgebaut. Ja, und Macht nistet sich überall ein und korrumpiert und zerstört beide gleichermaßen. Deshalb braucht man ja überhaupt eine Entwicklung, hier: die Überwindung der gelebten Macht.

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