Zum Inhalt springen

Die doppelte rosa Brille

by

Politischer Islam, Islamismus, Fundamentalismus, Extremismus, Terrorismus – die aggressive Ausübung einer bestimmten Religion hat viele Namen. Die Kenner dieses Blogs dürften wissen, dass der Fux sich damit schwertut, zwischen einem guten und einem bösen Islam zu unterscheiden, weil das für ihn weder theoretisch noch praktisch irgendeinen Sinn oder Nutzen hat.

Dass Zustände wie im Iran oder in Saudi-Arabien oder auch in europäischen No-Go-Areas intolerabel sind, dass Terrorismus bekämpft werden muss, dass die Scharia gegen alle westlichen Grundwerte verstößt und nicht zu dulden ist, dass man straffällig gewordene Ausländer umgehend in ihre Heimat zurückschicken soll, nun, darüber zumindest scheint so langsam eine gewisse Einigkeit zu herrschen. Das bildet sich in der Praxis und insbesondere in politischen Entscheidungen zwar kurioserweise nicht ab, aber zumindest im Journalismus und in dem, was man noch sagen darf, ohne als „rechts“ denunziert zu werden.

Wenn einige Leute das anders sehen, wie beispielsweise der dem Iran zum Jubiläum gratulierende Bundespräsident, Aktivisten, die Abschiebeflüge sabotieren und diverse andere Verstrahlte – meist gehören sie zum linken Spektrum – dann kann man wohl mit Fug und Recht von einer rosa Brille sprechen. Es ist aber auch schon eine rosa Brille, den politischen Islam nicht als eine der größten Bedrohungen der westlichen Wertegemeinschaft anzusehen.

Wenn diese Leute diese Brille abnehmen oder sie gar niemals aufhatten, findet sich darunter aber oft noch eine zweite. Und das ist die oben kritisierte Unterscheidung zwischen einem guten und einem bösen Islam.

Diese Unterscheidung zu machen, ist zugegebenermaßen erst mal naheliegend. Jeder von uns kennt sicherlich ganz liebenswürdige Muslime, die sich in die westliche Gesellschaft vollkommen integriert zu haben scheinen. Sie sprechen exzellentes Deutsch, haben ehrbare Berufe, begehen keine Straftaten, und sie sind auch immer zu einem netten Plausch mit uns bereit. Vielleicht tragen sie noch nicht einmal ein Kopftuch.

Dennoch sind sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit alles andere als integriert und bilden eine Gefahr für die Zukunft der Gesellschaft.

An dieser Stelle gehen die Rollos im Kopf bei den meisten runter. Wie kann ich sowas behaupten? Und was verlange ich denn noch alles von den armen Ausländern? Bin ich vielleicht ein Rassist oder Nazi?

Nun, nichts dergleichen. Es sind ganz nüchterne und emotionsfreie Schlussfolgerungen, die zu ziehen sind, wenn man sich ansieht, was aus den ganzen islamischen Ländern geworden ist, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch einen westlichen Anblick boten, zumindest in den Großstädten. Studierende Frauen im Minirock und ohne Kopftuch, keine Steinigungen, keine Scharia, keine Religionspolizei, usw.

Das ist inzwischen fast überall weg. Der Fairness halber muss man sagen, dass die USA daran nicht ganz unschuldig sind, weil sie in vielen dieser Länder militärisch und geheimdienstlich interveniert haben, sie destabilisierten und islamistische „Rebellen“ an die Macht brachten. Das taten sie aber nicht überall, der Islamismus hat die Macht auch in den Staaten erlangt, in denen die USA nie eingegriffen haben. Paradebeispiel ist Saudia-Arabien, weitere Beispiele bitte dem Geschichtsbuch zu entnehmen.

Der Islam ist ein Problem an und für sich. Er kann in einem moderaten und modern wirkenden Sporenstadium existieren, aber so lange jemand glaubt, dass ein Buch mit Tötungsbefehlen das Wort Gottes ist und ein Kriegsherr und Mörder ein Vorbild für alle Menschen, ist dem nie ganz über den Weg zu trauen. Egal, wie nett er ist und integriert er sich gibt, er kann sich verändern, wenn sich die Umstände verändern. Und wie man an der Re-Islamisierung der Länder sieht, ist das keine Theorie, und wie reden nicht von Einzelfällen, das wird ganz schnell zu einem Massenphänomen.

Wer das nicht sieht oder sehen will, hat die zweite rosa Brille auf.

Die Islamisierung von Ländern, in denen vormals kein Islam herrschte, geht deutlich langsamer und weniger plötzlich vonstatten, aber sie geht vonstatten. Zuerst sind die Muslime still und bescheiden und wirken gar nicht so religiös, aber je mehr sie werden, desto mehr Rechte fordern sie, und desto fundamentalistischer werden sie auch. Schweden und England sind da sehr „schöne“ Beispiele, diese Länder sind in meinen Augen auch bereits verloren.

Interessant übrigens, wie viele der islamistischen Attentäter im Nachheinein von ihren Bekannten und Nachbarn als „nie sonderlich religiös“ bezeichnet worden sind.

Im Kleinen findet man diese Probleme auch schon in Deutschland. Es findet ein Prozess der De-Integration statt, auch hier gibt es inzwischen No-Go-Areas und zunehmend Kopftücher und sogar Nikabs, die Zahl der Moscheen wächst, und wir haben längst begonnen, uns unseren Gästen anzupassen, statt Anpassung von ihnen zu erwarten. Und sie werden mehr. Nicht nur durch Einwanderung, auch durch Vermehrung. Die Statistiken sind in dieser Hinsicht auch zunehmend unbrauchbar, denn wer den deutschen Pass geschenkt bekommt, fällt aus der Statistik raus.

Wer das nicht sieht, hat die zweite rosa Brille.

Es ist ja schön, wenn die Leute die erste Brille langsam mal absetzen, aber wenn sie nicht auch die zweite absetzen, ist unterm Strich nichts gewonnen.

Werbeanzeigen

Forderung nach Diskriminierung

by

Die Kassiererin des Phantasialandes hat einen Mann reingelassen, der ein Thor-Steinar-Shirt trug. O weh! Und auf die Nachfrage eines besorgten Bürgers, bekommt der die folgende Antwort:

„Es liegt uns fern unsere Gäste aufgrund ihres Äußeren der Herkunft, sexuellen Vorlieben, religiösen oder auch politischen Ansichten einzuordnen und daher den Zutritt zu einem phantastischen Erlebnis zu verwehren.“

Also das geht ja gar nicht! Nazis ein phantastisches Erlebnis bieten! Zahlreiche Kommentare zum Thema empören sich auf der Plattform von Bento, müssen gar „kotzen“.

Erster Gedanke, als ich darüber las: Jaja, wir haben ja sonst keine Probleme.

Aber überlegen wir mal. Soll man Diskriminierung denn nun richtig finden oder nicht? Denn dass hier eine solche gefordert wird, darüber kann es kaum eine Diskussion geben.

Es wird euch überraschen, aber ich finde solche Diskriminierungen gefühlsmäßig erst mal gar nicht so verkehrt. Wenn das Gleiche mit Kopftüchern und Häkelmützen gemacht würde, wäre ich regelrecht zufrieden.

Die Frage ist natürlich, wohin führt so etwas, wo endet so etwas? Letzten Endes ist das eine komplexe Sache. Der Liberale will diese ganzen Gesetze gegen Diskriminierung streichen. Das kann aber böse nach hinten losgehen: Vielleicht ist man eines Tages selber der, der nicht bedient wird. Der Sozialist dagegen kann gar nicht genug Diskriminierungsverbote erlassen, weil ja alle Menschen gleich sind (gleich zu sein haben), ärgert sich dann aber ggf., dass „Nazis“ wie normale Menschen behandelt werden und so die Möglichkeit bekommen, die Herrschaft an sich zu reißen.

Wer hat Recht?

Letzten Endes ist es doch so, dass wir alle bestimmte Diskriminierungen als falsch und böse ablehnen, andere aber als richtig bis sogar notwendig erachten. Man muss sich irgendwann mal endlich darüber klar werden, dass man mit einer Diskriminierung eine bestimmte Weltanschauung vertritt, und da es die eigene Anschauung ist, wird man die immer richtig finden, und davon abweichende Diskriminierung immer falsch.

Die nächste Stufe, die dann nur wenige Menschen hinbekommen, ist, sich zu fragen, warum der eigene Standpunkt eigentlich besser ist als der des anderen, und ob es möglich ist, daraus eine allgemeingültige Regel zu formulieren, die „wasserdicht“ ist, also nicht missbraucht werden kann für Ziele, die man eigentlich gar nicht wollte.

Das ist schwierig. Und eine Patentlösung habe ich darauf auch nicht anzubieten. Möglicherweise gibt es die auch nicht, und das liegt schlicht und ergreifend daran, dass der Mensch an sich kein zu 100% logisch denkendes und vernunftbasiertes Wesen ist.

Gedankensplitter: Vom Äußeren auf das Innere schließen

by

Es hat sich eingebürgert, zu behaupten, dass man vom Äußeren nicht auf das Innere schließen könne, aber das ist zum einen falsch, und zum anderen schließen wir alle jeden Tag vom Äußeren auf das Innere, eben weil es sich bewährt hat, das zu tun.

Die Rubrik “Gedankensplitter” beinhaltet Beiträge, die nur sehr kurz sind. Spontane Gedanken, die mal eben schnell notiert wurden.

Über Familienbande und Nationalismus

by

Aus meinen Facebook-Diskussionen.

Jemand fragte in die Runde:

„Hab da mal ne Frage.

Von wann an wird es „böse“ genetische Abstammung bedeutsam zu finden?

Wenn der vermeintliche Vater feststellt, dass er gar nicht der biologische Vater ist, dann trifft ihn das.

Wenn die Mutter nach Jahren erfährt, dass ihr Kind vertauscht wurde, trifft sie das.

Wenn ein adoptiertes Kind erwachsen ist, hat es oft die Sehnsucht, seine biologischen Wurzeln kennenzulernen.

Ist Volk sowas wie eine viel größere Familie? Oder ist Volk etwas vollkommen anderes?

Von welchen Diffusionsgrad der Verwandtschaft an hört Familie und damit das moralisch zugestandene Bevorzugen des Eigenen auf? Wo ist die Trennlinie? Gibt es eine?

Von wann gleitet ein Wichtigfinden von genetischer Verwandtschaft in etwas Ungutes ab?

Ich schrieb schon ab und zu, dass ich die Definition eines geschätzten Menschen, der meinte, deutsch ist, wer sich wirklich deutsch fühlt (angenommen, man könnte das beweisen), nach ein wenig Grübeln unterschreiben konnte. Aber Staatsdinge sind ja vielleicht auch ein anderes Ding? Muss man das trennen?“

Es folgt meine Antwort, die zuerst nur drei Zeilen lang geplant war, aber nun zu einem Artikel geworden ist.

Das ist einer dieser unscharfen Fragenkomplexe, bei denen schon die Fundamente, die zu so einer Frage führen, soziale Konstrukte sind, noch dazu sehr uneinheitlich gehandhabte. Hier muss zuallererst einmal geklärt werden, was der Fragesteller eigentlich wissen will. Und das weiß der Fragesteller oft selbst nicht so ganz genau, außer, daß er die Fühler nach einer Art objektiv richtigen Basis ausstreckt, nach der er seine Ansichten und Handlungen ausrichten oder sie rechtfertigen kann. Am liebsten letzteres.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass eine Unterscheidung zwischen biologisch bedingt und sozial konstruiert zwar einigermaßen objektiviert werden kann, jedwede Zuordnung in Gut oder Böse jedoch subjektiv bleiben muss, weil es sich dabei nun mal um Empfindungen handelt. Man kann natürlich hingehen und Definitionen für Gut und Böse erschaffen, damit hat man aber nur eine Sprachregelung geschaffen und sonst gar nichts. Da viele Menschen mit der Sprache denken, erliegen selbige der Illusion, ihre Empfindungen besäßen objektive Gültigkeit, nur weil sie Worte dafür haben.

Der Kern aller Ethik ist letztlich: Mit was fühlen wir uns wohl und mit was fühlen wir uns nicht wohl? Alles andere ist Ideologie.

Biologische Fakten zu erkennen ist wichtig, um sich nicht in Irrwege und Sackgassen der Lebensverbesserung zu verrennen. Wenn ein Mensch gegen seine biologische Natur gebürstet wird, fühlt er sich nicht wohl. Ein solcher Irrweg ist z.B. die Behauptung, das Geschlecht eines Menschen sei ein soziales Konstrukt, und weil die Realität nicht zur Theorie passt, haben wir Frauenquoten und Femnazis. Will ich nicht weiter ausführen.

Die Frage, ob Blut wirklich dicker ist als Wasser, kann ich nicht beantworten, aber es gibt Hinweise aus der Forschung (Schimpansen), dass dem ein ganz klein wenig tatsächlich so sein könnte. Aber es gibt wohl auch andere Faktoren. Schimpansen kooperieren statistisch gesehen enger, wenn sie die gleiche Mutter haben, aber der Vater scheint bereits unwichtig zu sein. Und noch wichtiger als die Mutter sind Gleichaltrigkeit und ähnliche Interessen.

Das sind aber nur Hinweise. Ein Denkanstoß, mehr nicht. Man sollte sich hüten, das einfach auf den Menschen übertragen zu wollen.

Aus meinen laien- und lückenhaften Beobachtungen meiner Mitmenschen bin ich derzeit der Ansicht, dass Gleichaltrigkeit und gemeinsame Interessen in der Tat die stärkste spontane Allianzbildung bedingen.

Familienbande spielen aber auch eine wichtige Rolle wegen des Zusammenlebens. Mit wem man aufwächst, Tisch und Bett teilt, mit dem fühlt man sich verbunden. Ob man will oder nicht! So bleiben Kinder auch gegenüber misshandelnden Eltern oft unbegreiflich loyal und emotionell positiv zugewandt.

Ebenso verhält es sich mit dem etwas weiter gezogenen Kreis der Nachbarschaft, aber Vorsicht! Seit der enormen Zunahme von Mobilität und Freizügigkeit in unserer Kultur sind die Grenzen dieser Kreise keine geographischen mehr, außer vielleicht noch in Gegenden mit Leuten, die nicht viel herumkommen und ein Leben lang unter sich bleiben.

Die „Nachbarschaft“ besteht daher nicht nur aus wechselnden Nachbarn, sondern auch aus wechselnden Arbeitskollegen und Freunden. Letztere sucht man sich heutzutage selber aus und man ist da dank Internet auch zunehmend globalisiert.

Ebenso verhält es sich mit „Heimat“. Wo man den größten Teil seines Lebens verbringt, dahin fühlt man sich gehörig, da zu sein beschert einem ein Wohlbefinden. Und das ist aufgrund der Mobilität heutzutage sehr flexibel. Wo man geboren ist oder gar die Eltern geboren sind – who cares?

Ich denke daher, dass die von Rechts vielbeschworene Liebe zum Land und zum eigenen Volk eine Ideologie ist und nicht etwas, wonach ein freier Mensch von selbst strebt.

Der Denkfehler der Linken aber ist es, meiner bescheidenen Ansicht nach, dass sie deswegen den inneren Zusammenhalt eines Staates als irrelevant abtun und ohne Weh ihrer Ideologie von Weltoffenheit, Toleranz und Gleichheit opfern würden, wenn man sie ließe. Sie verkennen dabei mehrere ganz wesentliche Faktoren. Ich nenne da die folgenden:

1. Ein typischer westlicher Staat ist trotz „Pluralismus“ doch letztlich eine Gemeinschaft ähnlicher Interessen. Diese Ähnlichkeit wird einem aber oft erst bewusst, wenn man sieht, wie das Weltbild und die Interessen von Leuten sind, die von außerhalb kommen. Diese Leute draußen halten zu wollen, finde ich vollkommen berechtigt, denn sie bereiten uns Unbehagen statt Wohlbefinden.

2. Der Staat ist vielleicht ein soziales Konstrukt, aber er funktioniert. Meistens jedenfalls. Wir leben in Freiheit und Wohlstand. Dafür müssen wir leider arbeiten, aber irgendwas ist ja immer. 😉 Wohlstand zu teilen ist honorabel, aber vermindert den eigenen Wohlstand. Man hat uns anerzogen, dass Egoismus „böse“ ist, aber ohne ein Minimum an Egoismus ist unser Wohlstand bedroht, denn wir haben davon viel aber nicht unbegrenzt viel.

Gedankensplitter: Politische Umweltverschmutzung

by

Mir fällt gerade auf, dass die politischen Zustände von jetzt erstaunliche Parallelen zur Umweltverschmutzung aufweisen. Wir verseuchen sorglos unsere Umwelt, bis irgendwann diese für uns toxisch bis unbewohnbar wird. Solange man noch gegensteuern könnte, ist die Mehrheit der Meinung, dass das ja alles nicht so schlimm sei.

Wie alle Vergleiche hinkt auch dieser, so ist mir natürlich bewusst, dass Atommüll und Chemieabfälle nicht unter einem besonderen Schutz des GG stehen und man nicht als Müllfeind gilt, wenn man Umweltprobleme anspricht.

Die Rubrik “Gedankensplitter” beinhaltet Beiträge, die nur sehr kurz sind. Spontane Gedanken, die mal eben schnell notiert wurden.

Gedankensplitter: Der Sinn und Nutzen des Schlechten

by

Der Mensch freut sich nicht über einen guten Zustand, sondern immer nur über eine Verbesserung seines Zustandes. Das ist ein Wesensmerkmal des Menschen, das nicht verändert werden kann. Schade eigentlich, denn es geht uns momentan wirklich gut und wir könnten alle glücklich sein.

Da die Lebenssituation des Menschen sich nicht ein Leben lang verbessern kann, wird dem Menschen irgendwann entweder langweilig und fad, oder es widerfahren ihm schreckliche Sachen, die ihn wieder lehren, sich zu freuen.

Die Rubrik “Gedankensplitter” beinhaltet Beiträge, die nur sehr kurz sind. Spontane Gedanken, die mal eben schnell notiert wurden.

Meinungspluralismus zersetzt die Gesellschaft

by

Der Spiegel 3/19 hat eine interessante Schlagzeile auf seinem Titelblatt:

SCHUTZLOS Jetzt wird’s persönlich: Wie Hacker und Trolle Politik und Gesellschaft zersetzen

Dazu ein Bild des Politikers Habeck – das ist der, der so gerne die Demokratie nach Bayern und Thüringen bringen möchte und sich missverstanden fühlt und jetzt seinen Twitter-Account löschen will, weil man seine Absichten richtig interpretiert hat . Aber um den soll es heute nicht gehen.

Die Schlagzeile gibt einen guten Einblick in das Verständnis von Schrödingers Wähler.

Einerseits sind wir stolz auf die Demokratie, wo jeder wählen darf, ungeachtet seines sozialen, pekuniären oder intellektuellen Standes! Und die Meinungsfreiheit, auf die sind wir auch mächtig stolz! Aber: Jedes Mal, wenn ein Mensch etwas Politisches äußert, das uns nicht gefällt, machen wir uns sofort vor Angst in die Hose, dass er andere Menschen mit seiner falschen Meinung anstecken könnte und demzufolge das vierte Reich vor der Tür steht. Die Meinungsfreiheit darf daher nicht „zu weit“ gehen! Heißt: Wir dürfen nur die guten Meinungen zulassen.

Schrödingers Wähler ist der freie Bürger, der wählen darf, wen er will, andererseits aber das bitte nicht soll. Der sich aus der öffentlichen und freien Diskussion seine Meinung bilden darf, aber bitte nicht die falsche. Der mündig ist, um den politischen Kurs mitzubestimmen, aber ganz schnell verführt und beeinflusst werden kann.

Welches Menschenbild haben wir denn nun von unseren Mitbürgern oder welches sollen wir haben? Ist er intelligent bzw. vernünftig genug, um wählen zu dürfen oder doch nicht? Man möchte fordern, dass hier eine Entscheidung getroffen werden möge. Andererseits wissen wir (ich jedenfalls weiß es): Politische Propaganda beinhaltet immer auch den gezielten Einsatz von Unschärfe. Oder – um ein mehr oder weniger berühmtes Zitat zu bemühen: Der Mensch ist bereit, für eine Idee zu sterben. Vorausgesetzt, die Idee ist ihm nicht ganz klar.

Wie auch immer. Der Spiegel ist der Ansicht, dass Trolle und Hacker die Gesellschaft zersetzen. Der Spiegel steht mit dieser und ähnlichen Ansichten ja nicht alleine da. In letzter Zeit hörten wir viel vom Kampf gegen Fake News. Fake News beeinflussen die Wahlen. Die politische Stimmung. Trump wurde Präsident, weil Russland sich in den Wahlkampf eingemischt hat. So was geht ja gar nicht!

Puh! Ich persönlich finde das immer etwas schwierig, zu entscheiden, was Fake News sind, und was nicht, aber ich finde es ebenso schwierig, irgendjemandem zu vertrauen, der das für mich entscheidet. Ganz ehrlich: Ich wüsste gerade niemanden, dem ich da vertrauen würde. Die Öffentlich-Rechtlichen Medien oder der Spiegel sind es schon mal gewiss nicht. Die produzieren selber Fake News ohne Ende, und das nicht erst seit Relotius. Haha!

Aber die Rechten alternativen Medien sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Da gibt es auch Fake News. Verdammt noch mal: Alle Journalisten produzieren Fake News! Manche weniger, manche mehr, und manche nichts anderes, aber kein einziger scheint in der Lage oder Willens zu sein, einen Artikel abzufassen, der nicht mindestens einen groben Fehler enthält.

Was bleibt, ist auf die Mündigkeit des Bürgers zu setzen, auf dass der die täglich auf ihn einprasselnde Propaganda filtere und nach Kriterien der Vernunft beurteilen möge. Da sieht es im Moment ja äußerst finster aus, wie ich finde. Der durchschnittliche Normalbürger ist verhetzt, verdummt und betet die Parolen aus seinem politischen Lager nach, ohne sie zu reflektieren. Ich würde mich sogar zu der Aussage versteigen, dass der Deutsche Duchschnittsbürger im Moment nicht in der Lage ist, seine demokratischen Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Aber auch darum soll es heute nicht gehen.

Noch mal zurück zur Spiegelschlagzeile. Was lese ich aus ihr heraus? Dazu muss man wissen, wie ich die Medienlandschaft derzeit sehe, und ich sehe den klaren Trend zur Einheitsmeinung. Wie in der DDR. Die Partei gibt vor, was richtig ist, und wer das anders sieht, der ist ein Schädling. Ein Zersetzer der Gesellschaft.

Dass es Leute gibt, die irgendwas anders sehen, ist aber normal, und zwar in jeder Gesellschaft. Und wie die Weltgeschichte zeigte, kommt es gar nicht mal so selten vor, dass eine Minderheit oder gar ein Einzelner gegen die große Mehrheit und das etablierte Denken Recht behält. Deswegen ist Meinungspluralismus auch ein anerkanntes und erstrebenswertes Modell der Aufklärung. Jeder soll sagen können, was er denkt, und auf dem Marktplatz der Ideen setzt sich früher oder später das Gute und Richtige durch.

Ich weiß nicht, ob das wirklich immer so läuft, aber wir waren uns eigentlich mal einig, dass das eine wichtige Säule der Demokratie ist. Ohne Meinungspluralismus hat man keine echte Demokratie. Wie auch immer man das, was man dann hat, nennen will, es ist irgendwas DDR-artiges, mieses, schreckliches.

Also, ich lese heraus, dass der Spiegel gegen demokratische Spielregeln ist, denn diese ganzen Trolle und Hacker tun eigentlich nichts anderes, als neben der Einheitsmeinung auch andere Meinungen ins Spiel zu bringen. Dass die nicht automatisch richtig sind, ja, sogar oft genug Fake News, will ich ja gar nicht bestreiten. Aber genau das muss eine Demokratie aushalten. Genau daran muss sie wachsen und ihre Mitglieder sensibilisieren. Menschen müssen lernen, zu misstrauen. Nicht jeden Scheiß zu glauben, nur weil es gerade gut ins Weltbild passt. Klingt selbstverständlich, aber das ist es überhaupt nicht! Dahin gelangt man nur durch jahrelange Erfahrung, und etwas Anleitung dabei ist äußerst hilfreich.

Lieber Leser: Demokratie bedeutet, du darfst mitbestimmen, wie die Politik läuft. Sie bedeutet letztlich auch, du SOLLST mitbestimmen, sonst gehen dir deine Privilegien irgendwann flöten. Du trägst Verantwortung, o ja! Und ich weiß, Verantwortung wiegt schwer und macht Arbeit. Wenn dir das zu viel ist, und du lieber jemanden willst, dem du vertrauen kannst und der alles für dich regelt und für dich denkt, werde ich dich nicht verurteilen, aber dann brauchst du keine Demokratie, sondern einen König, einen Führer oder ein EU-Parlament. Die entscheiden dann für dich, und du musst dich um nichts kümmern und hast deine Ruhe. Aber dann darfst du auch nicht jammern, wenn sie eines Tages KOMISCHE Sachen machen, mit denen du überhaupt nicht einverstanden bist.

Freu dich, so lange es Trolle und Hacker gibt, die Löcher in den großen Vorhang stechen, mit dem man dir eine ganz bestimmte Weltsicht ohne Widersprüche vorgaukeln will! Sei ihnen dankbar! Und höre nicht auf Warner, die vor einer „Zersetzung“ warnen. Die wollen einfach nur nicht, dass ihnen jemand reinredet; sie wollen nicht, dass da noch andere Götter neben ihnen verehrt werden. Sie wollen allein bestimmen, was richtig und falsch ist und was du zu hören bekommst.

Sei den Trollen dankbar, Mensch!